Patientenbrief

EINFÜHRUNG
Von Compliance zu Adherence

Berlin - Compliance, Adherence – gelegentlich werden diese beiden Begriffe synonym gebraucht. Dabei gibt es erhebliche Unterschiede.

Unter Compliance versteht man Therapietreue oder Folgsamkeit. Der Begriff kennzeichnet die Bereitschaft des Patienten, ärztlichen Anweisungen Folge zu leisten. Dies kann sich beispielsweise auf die regelmäßige Medikamenteneinnahme beziehen oder auf das konsequente Einhalten einer Diät. Faktoren wie Krankheitsmerkmale (z.B. Schweregrad, Dauer und Symptome) oder die Art der Therapie können die Compliance sowohl positiv als auch negativ beeinflussen. Die so genannte Non-Compliance gefährdet den Therapieerfolg und kann Kosten – z.B. durch Krankenhausaufenthalte, verlorene Arbeitstage etc. – zur Folge haben. Allerdings wird bei dieser Sichtweise dem Patienten die alleinige Verantwortung für den Erfolg seiner Behandlung aufgebürdet. Das Compliance-Modell impliziert außerdem eine hierarchische Arzt-Patienten-Beziehung.

Adherence: aktive Patientenbeteiligung wird impliziert
Der Begriff der Adherence ist im öffentlichen Sprachgebrauch noch nicht weit verbreitet, allerdings ersetzt er in der Fachwelt zunehmend den älteren Ausdruck Compliance, um das informierte Einverständnis des Patienten zu betonen. Adherence definiert das Ausmaß, in welchem das Verhalten eines Patienten mit den gemeinsam von Arzt und Patient im Sinne einer partizipativen Entscheidungsfindung (shared decision making) beschlossenen Behandlungszielen übereinstimmt. Der Begriff impliziert eine aktive Patientenbeteiligung, zentrales Element ist die partnerschaftliche Kommunikation zwischen Arzt und Patient. Deren Ziel ist es, die Therapiemotivation zu erhöhen. Adherence basiert somit auf einem veränderten Rollenverständnis zwischen Arzt und Patient: weg von einer asymmetrischen, paternalistischen Beziehung hin zu einer Partnerschaft auf Augenhöhe, bei welcher der Patient eine aktive und eigenverantwortliche Rolle übernimmt.



Adherence im Fokus des Berliner Gesundheitspreises
Adherence stand im Mittelpunkt des Berliner Gesundheitspreises 2008/09. Die Auszeichnung wurde an Projekte verliehen, die eine partnerschaftliche Kommunikation zwischen Arzt und Patient fördern. Der erste Preis ging an die Arbeitsgruppe Arriba der Philipps-Universität Marburg. Die Computersoftware Arriba soll die Kommunikation zwischen Arzt und Patient verbessern, indem sie z.B. die Risiken eines Herzinfarkts oder die positive Wirkung einer Ernährungsumstellung berechnet. Das Ergebnis stellt das Programm mit Hilfe von graphischen Elementen wie Smileys für den medizinischen Laien anschaulich dar. So hilft Arriba dem Patienten, sein Gesundheitsrisiko zu bestimmen und eine Behandlungsstrategie zu wählen, die seinen Lebensumständen und seinem individuellen Gesundheitsbedürfnis am besten entspricht. Ergänzt wird das Instrument durch Hinweise zur Gesprächsführung für den Arzt.

Weitere Informationen zum Preis unter www.aok-bv.de

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