Patientenbrief

PATIENTENBEZUG
Wissenschaft und Alltag

Berlin - Versorgungsforschung ist wichtig, das sagen alle Akteure des Gesundheitswesens. Aber was haben Patienten konkret davon?

Eigentlich liegt es auf der Hand, dass Patienten von der Versorgungsforschung profitieren. Schließlich hat sich diese der Aufgabe verschrieben, Defizite in der Versorgung zu identifizieren und nachzuweisen. Auch innovative Versorgungsansätze zu entwickeln und zu evaluieren gehört zu ihrer Kernkompetenz. Auf den Punkt gebracht bedeutet das: Die Verbesserung der Patientenversorgung steht im Mittelpunkt.

Schwieriger Transfer von der Wissenschaft in die Praxis
Soweit die Theorie. Doch in der Realität sieht es oft noch anders aus. Denn den Betroffenen ist nicht allein damit geholfen, dass in einer Studie beispielsweise Defizite in der fachärztlichen Versorgung von Rheumapatienten aufgedeckt werden. Nur wenn dem theoretischen Erkenntnisgewinn auch ein praktischer Nutzen folgt und die Analysen sinnvolle Veränderungen in der realen Patientenwelt bewirken, zahlt sich die Forschung für die Betroffenen tatsächlich aus. Derzeit ist zumindest sehr fraglich, ob bei den vielen Forschungsprojekten der Transfer von der Wissenschaft in die Praxis gelingt.

Jeder kocht sein eigenes Süppchen
Ein weiteres Problem aus Patientensicht ist außerdem, dass sich auf dem Feld der Versorgungsforschung verschiedenste Akteure tummeln. Und verstehen wirklich alle unter Versorgungsforschung das Gleiche?
Auf Seiten der Ärzte engagieren sich beispielsweise die Bundesärztekammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung. Die Kammer hat vor einigen Jahren bereits eine Förderinitiative Versorgungsforschung gestartet. Aber auch Kassen setzen auf Versorgungsforschung. Bei der frisch fusionierten Barmer GEK wird derzeit eine eigene Abteilung zu dem Thema aufgebaut. Bereits in der Vergangenheit hat sich die GEK (Gmünder Ersatzkasse) mit zahlreichen Reports einen Namen gemacht – beispielsweise zu Heil- und Hilfsmitteln, zur ambulant-ärztlichen oder akut-stationären Versorgung. Auch das Thema ADHS bei Kindern und Jugendlichen war der Kasse einen ausführlichen Bericht wert. Weitere Akteure sind beispielsweise das AQUA-Institut und das Deutsche Netzwerk für Versorgungsforschung. Das Netzwerk, dem hauptsächlich medizinische Fachgesellschaften angehören, hat im vergangenen Jahr ein Memorandum zu den Methoden der Versorgungsforschung erarbeitet. „Wir sind in methodischer Hinsicht ein ganzes Stück weitergekommen“, sagt daher Prof. Matthias Augustin, Competenzzentrum Versorgungsforschung in der Dermatologie, kürzlich auf einer Veranstaltung in Berlin. Doch das Problem der unübersichtlichen Forschungslandschaft bleibt.

Projektdatenbank soll Erfahrungsaustausch ermöglichen
Umso wichtiger sind Initiativen, die für einen Überblick sorgen und – im zweiten Schritt – einen Austausch zwischen den Akteuren ermöglichen. Dieses Ziel verfolgt ein Projekt des Wissenschaftlichen Instituts der TK für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen (WINEG): Eine wissenschaftliche Studie soll den Stand der Versorgungsforschung in Deutschland darstellen. Durch die systematische bundesweite Erfassung von Projekten in Form einer Datenbank wird eine Plattform für den Erfahrungsaustausch und Erkenntnisgewinn von Versorgungsforschern entstehen, heißt es in der Projektbeschreibung. Mit Hilfe der Datenbank können laut WINEG unter anderem Forschungslücken leichter identifiziert, -ergebnisse in die Gestaltung der Versorgung von Patienten einfließen sowie Best-Practice Modelle identifiziert werden. Ob diese anspruchsvollen Ziele erreicht werden, wird sich im kommenden Jahr zeigen: Voraussichtlich Anfang 2011 soll das Projekt abgeschlossen werden.

Mehr zu dem WINEG-Projekt unter www.tk-online.de

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