Berlin - „Chronische Krankheiten und Patientenorientierung“ heißt ein Projekt, das auf mehrere Jahre angelegt ist und die Versorgung chronisch Kranker verbessern soll.
Der Förderschwerpunkt wird von mehreren Partner getragen: vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), der deutschen Rentenversicherung Bund, der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sowie dem Verband der privaten Krankenversicherung (PKV). Für eine Laufzeit von insgesamt sechs Jahren stellen sie rund 20 Millionen Euro zur Verfügung. Ziel des Projektes ist es, den Erkenntnistransfer im Bereich der Versorgungsforschung für eine bessere Patientenversorgung zu nutzen. Denn gerade bei chronisch kranken Menschen erfordert eine gute Versorgung die Orientierung an den Bedürfnissen der Betroffenen, heißt es in der Projektbeschreibung. Chronisch kranke und behinderte Menschen werden meist durch zahlreiche Einrichtungen behandelt, deren Leistungen durch verschiedene Sozialversicherungsträger finanziert werden. In der Vergangenheit beschränkte sich die Forschung zumeist isoliert auf einzelne Bereiche. Dieser Förderschwerpunkt greift erstmals gezielt medizinische, rehabilitative und sektorenübergreifende Fragen auf und macht somit das komplexe Versorgungsgeschehen für chronisch kranke Menschen wirksamer und transparenter.
Übersicht und Projektbeispiele
Im Rahmen der Initiative werden 41 Projekte unterstützt, die vier verschiedenen Modulen zugeordnet sind.
Modul 1: Forschungsvorhaben zur sektorenübergreifenden Versorgung
(Förderer: Deutsche Rentenversicherung, GKV, PKV, BMBF)
Projektbeispiele:
Die Universität Freiburg entwickelt und evaluiert ein interaktives, präferenzsensitives Informationssystem für Patienten mit chronischen Erkrankungen (Diabetes mellitus Typ 2 und chronische Kreuzschmerzen).
Den Nutzen des Internets für die psychosoziale Nachsorge nach stationärer onkologischer Rehabilitation analysiert ein Projekt des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Konkret geht es um ein ambulantes wohnortunabhängiges und zeitnahes Internetangebot in Form von Chatgruppen für Patientinnen mit Brustkrebs sowie für Patienten mit Prostatakrebs.
Modul 2: Forschungsvorhaben zur rehabilitativen Versorgung durch die Deutsche Rentenversicherung
(Förderer: Deutsche Rentenversicherung und BMBF)
Projektbeispiele:
Die Julius-Maximilians-Universität Würzburg untersucht den Einfluss von Shared-Decision-Making auf die Akzeptanz und Effektivität berufsorientierter Interventionen in der medizinischen Rehabilitation.
Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg will die gesundheitsbezogene Lebensqualität bei Patienten mit den häufigsten chronisch entzündlich-rheumatischen Erkrankungen verbessern – und zwar durch eine partizipative Versorgungsgestaltung mit individuellem Training.
Modul 3: Forschungsvorhaben zur gesundheitlichen Versorgung durch die Krankenversicherung
(Förderer: GKV, PKV und BMBF)
Projektbeispiele:
Modellhaft soll eine auf die psychosozialen Bedürfnisse der Patienten abgestimmte Struktur von Informations-, Beratungs- und Schulungsangeboten implementiert werden, um Gesundheitskompetenzen im Umgang mit Rückenproblemen zu fördern. Verantwortlich hierfür ist das Institut für Community Medicine, Greifswald.
Zahl, Dauer und Kosten zwangsweiser stationärpsychiatrischer Unterbringung von Patienten, die Schulungsmaßnahmen und gemeindenahe Intensivbetreuung erhalten, sollen untersucht werden. Das Mannheimer Zentralinstitut für Seelische Gesundheit vergleicht sie mit einer Kontrollgruppe von Patienten ohne Interventionsmaßnahmen.
Modul 4: Wissenschaftliche Grundlagen der versorgungsnahen Forschung
(Förderer: BMBF)
Projektbeispiele:
Die Universität Ulm entwickelt ein Verfahren zur Messung von Empowerment in der psychiatrischen Behandlung von Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen.
Die Patient-Behandler-Kommunikation steht im Mittelpunkt eines Projektes der Universität Freiburg. Dabei geht es insbesondere um geschlechts- und altersspezifische Präferenzen von chronisch kranken Patienten.
Weitere Details zu der Initiative können im Internet nachgelesen werden. www.gesundheitsforschung-bmbf.de