Berlin - Die Versorgung von Psoriasis-Patienten soll verbessert werden. In Berlin haben Dermatologen von ihnen entwickelte Versorgungsziele vorgestellt.
Bis 2015 haben sich die Deutsche Dermatologische Gesellschaft und Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) folgende Ziele gesetzt: Patienten mit Psoriasis haben eine gute Lebensqualität, Psoriasis-Arthritis wird frühzeitig erkannt und behandelt, Ärzte therapieren frühzeitig Komorbidität, gleiches gilt für Kinder mit Psoriasis.
Reusch: Versorgungsziele sind ein Bekenntnis
BVDD-Präsident Dr. Michael Reusch vergleicht die Ziele mit „Leitplanken“, die in die Arbeit der Hautärzte einfließen. „Die Ziele stellen auch ein Bekenntnis dar“, sagt er. Um die ambitionierten Verbesserungen auch tatsächlich zu erreichen, sei es notwendig, Wissen zu dynamisieren. „Wir müssen vor Ort hingehen“, kündigt er an. Hinter jedem Ziel stecke eine Roadmap, die abzuarbeiten sei. Das betrifft unter anderem regionale Qualitätsunterschiede in der Behandlung. Reusch zufolge ist beispielsweise in Brandenburg der Anteil von Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis, die eine Systemtherapie erhalten, wesentlich höher als im Saarland. Die Versorgungsziele sehen daher vor, den Anteil von Patienten mit dieser speziellen Behandlung zu erhöhen und die Verordnung von Systemtherapeutika bundesweit nach oben anzugleichen.
Strukturelle Versorgungslücken
Noch keine Lösung können die Ziele jedoch für die „strukturellen Versorgungslücken“ bieten, die Reusch kritisiert. Der Präsident des Berufsverbandes sieht insbesondere für mittelschwere und schwere Fälle eine Lücke zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. In diesem Zusammenhang weist er auch auf erhebliche Unterschiede in der Vergütung hin: So bekomme ein niedergelassener Dermatologe 16 Euro pro Patient und Quartal, das Krankenhaus erhalte im Rahmen der stationären Fallpauschalen rund 3.000 Euro. Auf die hohe Eigenbeteiligung der Betroffenen macht dagegen Prof. Matthias Augustin, Competenzzentrum Versorgungsforschung in der Dermatologie, aufmerksam. „800 Euro pro Jahr müssen Psoriasis-Patienten selbst aufbringen. Wenn sie es nicht können, werden sie entsprechend schlechter versorgt“, sagt er.
Fakten zur Schuppenflechte
Bei Psoriasis vulgaris handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Systemerkrankung auf genetischer Grundlage. Rund 35 Prozent der Patienten weisen starke bis sehr starke Einbußen der Lebensqualität auf – z.B. durch körperliche Symptome, aber auch durch psychische Belastungen wie Depression und Angst, ein beeinträchtigtes Sozialleben oder Belastungen durch die Therapie. In den letzten Jahren sind bundesweit unter dem Namen PsoNet regionale Psoriasisnetze eingerichtet worden (bisher 24). Sie sollen die Versorgungsqualität und die Kooperation zwischen den Arztgruppen verbessern. 2008 wurde PsoBest – ein umfassendes Patientenregister zur Erfassung der Langzeitverläufe von System- und Biologikatherapie – eingerichtet. Im Mittelpunkt der Initiative steht die Therapiewirksamkeit unter Alltagsbedingungen sowie die Sicherheit der Behandlungen.
Quelle: Deutsche Dermatologische Gesellschaft, Berufsverband der Deutschen Dermatologen