Patientenbrief

HINTERGRUND
Mission Generationen-Wechsel

Berlin - In der Selbsthilfe steht ein Generationen-Wechsel bevor. Kein bedingungsloses Festhalten an Altbewährtem, sondern Flexibilität und neue Ansätze sind gefragt, um die Herausforderung zu meistern.

Die Zeichen stehen auf Veränderung: Insbesondere dort, wo die Selbsthilfeaktivitäten noch von der Gründergeneration getragen werden, muss der „Stabwechsel“ bald gelingen, damit keine Brüche entstehen. Nachwuchs ist nicht nur in Hinblick auf die Mitglieder gefragt, sondern auch bei Funktionsträgern und dem hauptamtlichen Personal. Die wichtigste Herausforderung für die Selbsthilfe wird es daher sein, sich den Zukunftstrends der Nachwuchsförderung zu stellen.
Grundsätzlich gilt: Die Nachwuchsförderung kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Bedürfnisse der Zielgruppe wirklich im Vordergrund und nicht nur auf dem Papier stehen. Die Maßnahmen müssen ferner auf der Höhe der Zeit – Stichwort neue Kommunikationsformen – sein. Die anspruchsvollste Aufgabe, die es dabei zu erfüllen gilt, lautet: wertvoll für die junge Generation zu werden.

Bereitschaft für Veränderungen
Was können Selbsthilfeorganisationen konkret tun, um junge Menschen zu gewinnen? Die Antwort darauf klingt simpel: vor allem die Bereitschaft mitbringen, interne Organisationsformen und Abläufe, aber auch Themen zu verändern. Künftig wird es darauf ankommen, die Angebote und Gremienstrukturen stärker auszudifferenzieren und somit besser altersgruppenspezifisch auszurichten. Das Beharren auf einer starren Definition des Selbsthilfeengagements ist nicht förderlich, um jüngere Menschen dafür zu gewinnen – im Gegenteil, es dürfte sie sogar eher abschrecken. Diese Flexibilisierung kann in unterschiedlicher Weise realisiert werden, zum Beispiel was die Dauer des Engagements betrifft. Viele junge Menschen möchten sich nicht vorab auf längere Zeiträume festlegen. Auch die Forderung nach strikter Regelmäßigkeit und das unbedingte Bestehen auf Treffen von Angesicht zu Angesicht sind bei der jungen Generation nicht mehr zeitgemäß. Anstatt dies als Beliebigkeit abzuwerten, sollte bedacht werden, dass die Jüngeren auch in der modernen Arbeitswelt mit zahlreichen Herausforderungen der Flexibilisierung konfrontiert sind.

Nicht nur Reden über die Krankheit
Wer auf die spezifischen Bedürfnisse der jungen Erwachsenen eingehen will, sollte dabei vor allem im Blick haben, dass diese in der Selbsthilfegruppe nicht ausschließlich auf ihr Problem reduziert werden möchten. Die Krankheit und das Reden darüber sollten daher nicht allzu sehr im Mittelpunkt stehen. Für sie sind auch andere Themen wie selbstständiges Wohnen, Ausbildung und Beruf, Führerschein und Auto, Partnerschaft sowie Kinderwunsch wichtig. Interessant sind Gruppen, die auf eine ausgewogene Balance zwischen Informationen über die Krankheit und Freizeitaktivitäten mit Spaßfaktor setzen. Das bedeutet: Selbsthilfe ist besonders dann attraktiv, wenn die Arbeitsnormen gesellige, erlebnisorientierte Elemente erhalten. Dass die Jungen vor allem Gruppen mit gleichaltrig Betroffenen bevorzugen, liegt in diesem Kontext auf der Hand.

Was bringen Facebook und Co.?
Wer die junge Generation für sich gewinnen will, kommt am Thema Internet nicht vorbei. Für Jugendliche ist die virtuelle Kommunikation, mit der sie zum Teil sogar bereits aufgewachsen sind, eine Selbstverständlichkeit. Soziale Netzwerke wie Facebook oder schüler- bzw. studi-VZ sind bei vielen ein fester Bestandteil des Alltagslebens. Doch trotz unbestrittener Bedeutung des Internets sollte es nicht als Allheilmittel verstanden werden. Die neuen Medien sind oftmals nur ein erster ergänzender Schritt auf dem Weg zu einer qualifizierten Information. Um junge Menschen langfristig an die Selbsthilfe zu binden, reicht deren Einsatz nicht aus. Daher sollten traditionelle Elemente der gesundheitlichen Selbsthilfearbeit wie der persönliche Austausch und die Schulung vor Ort nicht ersetzt, sondern umsichtig ergänzt werden.

Quellen:
Nachwuchssuche in der Selbsthilfe: Generationen-Wechsel
www.aok-bv.de

Miriam Walther und Jana Ringer (Mitarbeit): Erkenntnisse und Bedarfe der Forschung und die Fachdiskussion zum Thema „Junge Menschen in der / in die Selbsthilfe“ (Expertise 1)
www.nakos.de

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