Berlin - Im vergangenen Jahr hat jeder achte gesetzlich Versicherte von Präventions- und Gesundheitsförderungsangeboten der Krankenkassen profitiert. Die Zahl der unterstützten Einrichtungen, Kurse und Projekte stieg gegenüber 2007 deutlich.
Nach dem aktuellen Präventionsbericht der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wurden rund neun Millionen Menschen und damit deutlich mehr als im Jahr 2007 durch präventive und gesundheitsfördernde Maßnahmen der Kassen erreicht. Insgesamt gaben diese für Primärprävention im Jahr 2008 knapp 340 Millionen Euro aus. Auf jeden Versicherten kommt eine Summe von 4,83 Euro, damit wurde der gesetzlich vorgeschriebene Ausgabenrichtwert von 2,78 deutlich überschritten. Die Primärprävention, also der Risikoschutz für Gesunde, ist jedoch nur ein kleiner Teil des gesamten Vorsorgebereichs. „Für alle präventiven Aufgabenfelder gaben die gesetzlichen Kassen 2008 rund fünf Milliarden Euro aus“, sagt K.-Dieter Voß vom GKV-Spitzenverband bei der Vorstellung des Berichts. „Die Gesetzliche Krankenversicherung hat sich damit als größter Förderer der Vorsorge in Deutschland etabliert.“ Der Report, der vom GKV-Spitzenverband, dem Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS) sowie den Kassenverbänden herausgegeben wird, beschreibt detailliert die Primärprävention.
22.000 Einrichtungen, 2 Millionen Kursteilnehmer, 3.400 Projekte
Dazu gehören alle Aktivitäten der Krankenkassen in den so genannten Lebenswelten, also in Kindertagesstätten, Schulen oder Betrieben (Setting-Ansatz). Sie haben im Jahr 2008 in rund 22.000 Einrichtungen, überwiegend im Bereich der Bildung, Angebote finanziert. Sechs Millionen Menschen konnten sich vor allem über gesunde Ernährung oder Bewegung informieren. Im Vorjahr wurden diese Gruppenangebote in 14.000 Einrichtungen angeboten. „Präventionsmaßnahmen wirken am besten, wenn sich zum Beispiel Elternhaus, Schule, Kommune und Krankenkasse ergänzen“, erklärt Voß den Förderansatz der Kassen. Dieser gesamtgesellschaftliche Ansatz müsse weiter ausgebaut werden.
Aber auch bei den individuellen Angeboten der Kassen kann der Bericht Erfolge vorweisen. Rund 2,1 Millionen Menschen, überwiegend Frauen, nahmen an Kursen ihrer Krankenkasse teil. Der Großteil entfiel auf spezielle Bewegungsangebote, aber auch Kurse zum Suchtmittelkonsum boten die Kassen an. Einen deutlichen Anstieg verzeichnet die betriebliche Gesundheitsförderung. Mit dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz 2007 wurde diese zu einer Pflichtleistung der Kassen aufgewertet. Die Zahl der Projekte stieg daher 2008 auf 3.400 (rund 14 Prozent mehr als im Vorjahr), ebenso wie die Zahl der teilnehmenden Arbeitsstellen. Mit 820.000 Arbeitnehmern in knapp 4.800 Betrieben nahmen 30 Prozent mehr Menschen an der betrieblichen Gesundheitsförderung teil als 2007.
Schwarz-Gelbe Koalition will Prävention weiter stärken
„Die Krankenkassen übertreffen ihre eigenen Ziele in der Prävention deutlich“, fasst der Geschäftsführer des MDS, Dr. Peter Pick, die Zahlen des Berichtes zusammen. Erkennbar seien zudem deutliche Qualitätssteigerungen, vor allem in der betrieblichen Gesundheitsförderung und im Lebenswelten-Bereich an Kitas und Schulen. Pick und Voß mahnen aber ein politisches und gesellschaftliches Engagement an, um diese Entwicklungen zu verstetigen. „Wir unterstützen die Pläne der Schwarz-Gelben Koalition, die Vorsorge weiter zu stärken“, so Voß. „Wir sagen aber auch ganz deutlich: Prävention darf weder als finanzieller Verschiebebahnhof noch als primär medizinische Domäne behandelt werden.“ Bund, Länder, Kommunen, Verbände, Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssten ebenso wie Krankenkassen ihren Beitrag leisten.
Hinweis: Über die Präventionspläne der Bundesregierung haben wir in der Januar-Ausgabe des Patientenbriefs berichtet.
Der Präventionsbericht kann im Internet herunter geladen werden: www.gkv-spitzenverband.de (PDF)