Berlin/Göttingen - Das Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen, kurz AQUA, ist eine wichtige Adresse, wenn es um die Qualität der Versorgung geht.
Mit dem Metier Qualitätssicherung ist das AQUA-Institut bereits seit Jahren vertraut: Im Rahmen einer Kooperation von Wissenschaftlern der Universitäten Göttingen und Hannover wurde im Jahr 1993 die „Arbeitsgemeinschaft Qualitätssicherung in der ambulanten Versorgung“ gegründet. Aus dieser Arbeitsgemeinschaft entstand 1995 das Institut in Göttingen. Es versteht sich als unabhängiger Dienstleister für Fortbildungen, Bewertung von neuen Versorgungsmodellen sowie Analysen für Krankenkassen. Sein bekanntestes Produkt ist EPA – Europäisches Praxisassessment, ein Qualitätsmanagementsystem für Arztpraxen. Damit sollen Mediziner die organisatorischen Abläufe in ihren Praxen so verbessern können, dass ihre Ressourcen optimal genutzt und die Patienten bestmöglich versorgt werden.
AQUA übernimmt Aufgaben der BQS
Das sicherlich größte Projekt von AQUA dürfte die sektorenübergreifende Qualitätssicherung sein, mit der es im vergangenen Jahr vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beauftragt wurde. Im Zuge dessen übernimmt das Institut auch die externe Qualitätssicherung der Krankenhäuser, mit der bisher die Bundesgeschäftsstelle für Qualitätssicherung und Patientensicherheit (BQS) betraut war. Die BQS ist eine gemeinnützige GmbH, die von der Bundesärztekammer, der Deutschen Krankenhausgesellschaft, den Kassenverbänden sowie dem Verband der Privaten Krankenversicherung im Jahr 2000 gegründet wurde.
Prof. Szecsenyi – vom Landarzt zum Institutsleiter
In dem Göttinger Institut arbeiten neben Ärzten auch Apotheker, Betriebswirte, Gesundheitswirte und Informatiker. Geschäftsführer ist der Heidelberger Professor Joachim Szecsenyi. Er ist seit 2001 Ärztlicher Direktor der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung des Universitätsklinikums Heidelberg, zuvor arbeitete er als Hausarzt in einer Landpraxis. Szecsenyi leitet AQUA mit der Maxime „Aus der Praxis für die Praxis“ – die Lösungen sollen konsequent für die Anwendung entwickelt werden. „Mit praxiserprobten Konzepten sorgen wir dafür, dass die Vorstellungen unserer Auftraggeber in die Tat umgesetzt werden“, so Szecsenyi.
IQWiG als Vorbild
Im Fall der sektorenübergreifenden Qualitätssicherung bedeutet das: AQUA steht in kontinuierlichem Austausch mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss, mit Krankenhäusern, Ärzten und Kassen. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) wird als Vorbild für das transparente Vorgehen bei der Veröffentlichung der Ergebnisse und der Expertenauswahl genannt. So sollen Berichte mehrstufig erscheinen, damit alle Beteiligten Stellungnahmen einreichen können. Im Unterschied zum privaten AQUA-Institut wird das IQWiG jedoch durch Zuschläge für stationäre und ambulante medizinische Behandlungen – also letztlich aus den Beiträgen der Mitglieder aller Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) – finanziert. Ein weiterer Unterschied: Für das IQWiG sind Auftrag, die Bearbeitung der Aufgaben sowie die Basis der Finanzierung gesetzlich festgelegt – und zwar im Sozialgesetzbuch V. Auch in punkto Arbeitsbereich gibt es zwischen AQUA und IQWiG kaum Berührungspunkte, denn letzteres überprüft den Nutzen bzw. das Kosten-Nutzen-Verhältnis von Arzneimitteln.
Was ist BQS?
Das BQS-Institut für Qualität und Patientensicherheit (alter Name: Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung) wurde mit dem Ziel gegründet, die Behandlungsqualität in deutschen Krankenhäusern zu untersuchen. Auftraggeber dafür war der Gemeinsame Bundesausschuss. Für die so genannte externe stationäre Qualitätssicherung analysierte BQS eine Vielzahl von Daten. So basierte beispielsweise der Report für das 2008 auf fast 3,8 Millionen Datensätzen von mehr als 1.700 Krankenhäusern. Auch wenn das Institut nicht mehr im Auftrag des G-BA die Krankenhausqualität untersucht, so bleibt es dem Metier treu: BQS versteht sich als unabhängige Einrichtung, die sich auf die Darlegung von Versorgungsqualität im Auftrag verschiedener Partner im Gesundheitswesen spezialisiert hat. Wir machen Qualität sichtbar, lautet die BQS-Vision auf der Institutshomepage. Konkret arbeiten die Experten in den Bereichen Medizin und Pflege, Statistik und Biometrie sowie IT- und Webservices. Die BQS hat in Hamburg und Düsseldorf Standorte, Geschäftsführer ist seit 2007 der Mediziner Dr. Christof Veit.
Mehr über die Institution kann auf der neuen Website nachgelesen werden: www.bqs-institut.de
Mehr über das AQUA-Institut kann man auf der Homepage des Instituts nachlesen: www.aqua-institut.de