Berlin - Bei der sektorenübergreifenden Qualitätssicherung will das AQUA-Institut auch auf Patientenbefragungen zurückgreifen. Was man über dieses Instrument wissen sollte.
Grundsätzlich gilt, dass die Erfahrungen von Patienten für die Beurteilung der Versorgungsqualität von wesentlicher Bedeutung sind. Das wird auch im Methodenpapier des Instituts ausdrücklich betont. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Patienten können auf Versorgungslücken und Qualitätsdefizite hinweisen, die sich aus anderen Angaben – z.B. Abrechnungsdaten – nicht erschließen. Nur sie selbst erleben den gesamten Versorgungsprozess über Sektorengrenzen hinweg. Doch wie können Patienten über ihre Erfahrungen Auskunft geben? Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten.
Quantitative versus qualitative Befragung
Grundsätzlich können sie mündlich im Einzelinterview (persönlich oder telefonisch), im Rahmen von Fokusgruppen oder auch schriftlich befragt werden. Unter einer qualitativen Befragung verstehen Experten, wenn man Patienten dazu anregt, ihre Erfahrungen in eigenen Worten wiederzugeben. Dies kann z.B. im Rahmen eines persönlichen Gesprächs geschehen, aber auch mithilfe offener Fragen in einem Fragebogen. Die Auswertung dieser Angaben ist jedoch sehr aufwendig, auch können die Ergebnisse aus unterschiedlichen Befragungen nicht unmittelbar miteinander verglichen werden. Die Autoren des Methodenpapiers betonen: „Qualitative Befragungen können jedoch sinnvoll sein, wenn zu einem Themengebiet noch wenig Erfahrungen vorliegen ..., aber auch zur Unterstützung der Interpretation von Ergebnissen aus quantitativen Befragungen.“ Letztere bieten sich an, wenn eine große Zahl von Patienten gefragt werden soll – beispielsweise um statistisch relevante Aussagen treffen zu können.
Subjektives „rating“ und objektiver „report“
Prinzipiell sind dabei zwei unterschiedliche Fragentypen denkbar: Zum einen das Erfragen subjektiver Bewertungen von Versorgungsstrukturen und Ergebnissen wie z.B. die Zufriedenheit mit Wartezeiten. Fachleute sprechen von einem „rating“, die Bewertung erfolgt anhand einer mehrstufigen Antwortskala. Bei dem so genannten „reporting“ geht es darum, objektiv feststellbare Tatsachen zu erfragen, z.B.: Hat der Patient eine Beratung erhalten oder wie lange musste er im Wartezimmer sitzen (Antworten ja/nein oder numerische Angaben).
Versorgungsforschung setzt auf PRO
Die subjektiven Einschätzungen der Patienten werden in Hinblick auf das Behandlungsergebnis als „patientenberichtet“ oder als „Patient reported Outcomes (PRO)“ bezeichnet. Erhoben werden PRO beispielsweise im Rahmen der Versorgungsforschung oder der Nutzenbewertung, um die gesundheitsbezogene Lebensqualität oder die Lebensqualität allgemein, das heißt krankheitsunabhängig, zu erfassen. Die Lebensqualität gilt – neben Mortalität und Morbidität – zu den wichtigsten patientenrelevanten Endpunkten zur Messung der Versorgungsqualität.
Lebensqualität – vielschichtiges Konstrukt
Im Methodenpapier des AQUA-Instituts heißt es zu diesem Punkt weiter: „Zur Beurteilung der auf eine spezielle Erkrankung bezogenen Ergebnisqualität sind aus Sicht der Patienten unter anderem diejenigen Aspekte gesundheitsbezogener Lebensqualität maßgeblich, die durch die jeweilige Erkrankung beeinflusst werden wie z.B. Schmerzen, Krankheitssymptome, Beeinträchtigungen im Alltag und Funktionseinschränkungen.“ „Gesundheitsbezogene Lebensqualität“ ist als mehrdimensionales Konstrukt zu verstehen, das mindestens die Komponenten psychisches Befinden, körperliche Verfassung, soziale Beziehungen und funktionelle Kompetenz der Gefragten umfassen sollte.
Im Kontext von Qualitätssicherung ist die Erfassung der Lebensqualität zur Beurteilung der medizinischen Versorgungsqualität natürlich vor allem dann sinnvoll, wenn davon ausgegangen werden kann, dass diese einen bedeutenden Einfluss auf die (gesundheitsbezogene) Lebensqualität hat.
Wie beurteilen Patienten die Kommunikation mit dem Arzt?
Auch das Erfragen von Behandlungserfahrungen der Patienten kann dabei helfen Qualitätsdefizite aufzuspüren. Dies betrifft vor allem Aspekte wie die Arzt-Patienten-Kommunikation, die Informationsvermittlung und die Koordinierung medizinischer Leistungen. Andere Themen, wie Fort- und Weiterbildungen des Personals oder technische Ausstattungen, eignen sich dagegen nicht für Patientenbefragungen, da diese über keine oder nur geringe Informationen darüber verfügen.
Das Institut listet im Methodenpapier folgende Patientenbefragungs-Instrumente auf, die es prinzipiell einsetzen kann:
Die Autoren des Papiers weisen darauf hin, dass der flächendeckende Einsatz solcher Instrumente unverhältnismäßig teuer und die Zuordnung der Ergebnisse auf einzelne Leistungserbringer kaum möglich sei. Die Qualitätsprüfer des AQUA-Instituts wollen sich daher auf Stichprobenerhebungen beschränken.
Quelle: Allgemeine Methoden für die wissenschaftliche Entwicklung von Instrumenten und Indikatoren im Rahmen der sektorenübergreifenden Qualitätssicherung im Gesundheitswesen nach § 137a SGB V
Version 0.1 (Entwurf) vom 30. November 2009