Patientenbrief

EINFÜHRUNG
Was man über Palliativmedizin wissen sollte

Berlin - Eine Verbesserung der palliativmedizinischen Versorgung wird häufig gefordert, doch was ist eigentlich Palliativmedizin genau? Eine Orientierung.

Der Begriff leitet sich von dem lateinischen Wort für Mantel (pallium) ab, bildlich gesprochen umhüllt und schützt die Palliativmedizin den Patienten. Sie stellt die Linderung von Schmerzen und anderen Beschwerden in den Vordergrund, oberstes Ziel der palliativmedizinischen Versorgung ist es, eine möglichst hohe Funktionsfähigkeit und Lebenszufriedenheit des Patienten zu erhalten, wenn keine Heilung mehr möglich ist. Im Unterschied dazu wird beim kurativen Therapieansatz – curare heißt heilen auf lateinisch – das Wohlbefinden des Patienten dem Ziel, die Krankheit zu heilen, untergeordnet. Daher mutet man ihm in diesem Fall therapiebedingte Einschränkungen der Lebensqualität zu.

Was macht Palliativmedizin?
Konkret beinhaltet Palliativmedizin zwar die Kontrolle der Krankheitssymptome, sie beschränkt sich aber nicht „nur“ auf diesen körperlichen Aspekt: Die Behandlung soll auch psychische, soziale und spirituelle Bedürfnisse von Patient und Angehörigen integrieren. Die Palliativmedizin bejaht das Leben und sieht das Sterben als einen natürlichen Prozess – sie lehnt aktive Sterbehilfe ab.
Eine gute Zusammenfassung bietet die Definition der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2002. Dieser zufolge ist Palliativmedizin „ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und ihren Angehörigen, die mit Problemen konfrontiert sind, die mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung einhergehen, und zwar durch Vorbeugen und Lindern von Leiden, durch frühzeitiges Erkennen, Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen belastenden Beschwerden körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art.“

England als Ausgangspunkt der modernen Palliativversorgung
Wer über Palliativmedizin Bescheid wissen möchte, sollte auch um deren Anfänge wissen. Ursprünglich wurde das Konzept für Patienten mit Tumorerkrankungen entwickelt. Das 1967 von Cicely Saunders gegründete St. Christopher’ Hospice gilt als Beginn der modernen Palliativmedizin. Saunders Überzeugung, dass unheilbar kranke Menschen eine angemessene Versorgung und Betreuung benötigen, wurde in den vergangenen Jahrzehnten weltweit übernommen und weiterentwickelt. Deutschland lag im internationalen Vergleich lange Zeit im Hintertreffen. Erst 1983 gründete die Deutsche Krebshilfe in Köln die erste Palliativstation Deutschlands und förderte in den folgenden Jahren zahlreiche andere. Weitere Entwicklungsetappen sind 1994 die Gründung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, die Ergänzung des Sozialgesetzbuches V um Regelungen zur Palliativversorgung (1997) sowie die Einrichtung der ersten Professur für Palliativmedizin im Wintersemester 1999/2000 an der Universität Bonn. Die Bundesärztekammer hat im Jahr 2003 eine Zusatzweiterbildung für den Bereich Palliativmedizin verabschiedet. Mittlerweile haben hierzulande etwas mehr als rund 4.000 Ärzte diese Weiterbildung absolviert (Stand 2009).

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