Berlin - Sind Deutsche Impfmuffel? Das legt eine Umfrage der Techniker Krankenkasse (TK) nahe. Unterdessen hat die Ständige Impfkommission (STIKO) ihre Empfehlungen aktualisiert.
Masern-Impfung auch für Erwachsene
Die Masern-Impfung (in Form der Masern-Mumps-Röteln-Impfung) wird zukünftig für alle nach 1970 geborenen Erwachsenen empfohlen, sofern sie nicht oder nur einmal geimpft sind oder der Impfstatus unklar ist. Besonders wichtig ist diese Empfehlung laut STIKO für Personen, die im Gesundheitsdienst, in der Betreuung von immungeschwächten Menschen oder in Gemeinschaftseinrichtungen arbeiten. Grund für die Erweiterung der Empfehlung sind die immer wieder auftretenden Masernausbrüche in Deutschland und Impflücken vor allem in der Gruppe der jüngeren Erwachsenen.
Die Influenza-Impfung für die nächste Grippesaison wird nun auch allen Schwangeren empfohlen, weil bei Schwangeren ein deutlich erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe beobachtet wurde. Diese Gruppe ergänzt die bisherige Impfempfehlung für Personen ab 60 Jahre, chronisch Kranke, Medizinpersonal, Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr sowie Personen, die Risikopersonen betreuen. Der übliche saisonale Grippeimpfstoff, der sich jedes Jahr aus den drei aktuell am häufigsten auftretenden Influenza-Virustypen zusammensetzt, wird auch das pandemische Influenzavirus („A/H1N1/California/2009“) enthalten.
Studie offenbart Impflücken bei Kindern
Soweit die Empfehlungen. Natürlich ist es der Entscheidung jedes einzelnen überlassen, ob und wie umfassend er sich impfen lässt. Dass die Bundesbürger in dieser Hinsicht etwas zurückhaltend sind, legt eine Umfrage nahe. Demnach sitzen statistisch in jeder Klasse mit 28 Schülern mindestens zwei Kinder, die nicht ausreichend geimpft sind. Dazu zählen die Impfungen gegen Keuchhusten, Tetanus, Masern, Mumps oder Röteln. Zu diesem Ergebnis kommt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK).
Die Gründe der Impfmuffel: Acht von zehn Eltern, deren Kinder nicht alle Schutzimpfungen erhalten haben, gaben in der TK-Umfrage an, dass sie einige davon für unnötig hielten. Drei Viertel von ihnen haben Angst vor Impfschäden und Nebenwirkungen. Und fast die Hälfte war der Meinung, dass die so genannten „Kinderkrankheiten“ das Immunsystem stärken. TK-Impfexperte Maik Findeisen hält dagegen: „Die Impfungen schützen Babys und Kleinkinder vor Infektionen, an denen sie häufig deutlich schwerer erkranken als ältere Kinder oder Erwachsene.“ Zudem seien die modernen Impfstoffe gut verträglich, Nebenwirkungen treten nur in seltenen Fällen auf. Auch Mehrfachimpfungen mit bis zu sechs Impfstoffen stellen grundsätzlich kein Problem dar.
Überfordern Impfungen das Immunsystem?
Manche Eltern fürchten auch, dass die von der STIKO empfohlenen Impfungen das Immunsystem ihres Babys überfordern. „Die Sorge ist unbegründet“, gibt Findeisen jedoch auch hier Entwarnung. Die Impfung stärke das Immunsystem des Neugeborenen, das sich ab der Geburt generell mit einer Vielzahl von Keimen auseinandersetzen muss.
Die STIKO-Empfehlungen
Diese sind Grundlage der öffentlichen Impfempfehlungen der obersten Landesgesundheitsbehörden und der Schutzimpfungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Die Mitglieder der STIKO sind ehrenamtlich tätige Experten aus unterschiedlichen Disziplinen der Wissenschaft und Forschung, aus dem Bereich des Öffentlichen Gesundheitsdienstes und der niedergelassenen Ärzteschaft.
Zu den Empfehlungen der STIKO: www.rki.de