Berlin - Die Zahl der Neuinfizierungen mit HIV sind seit 2006 stabil, konstatierten die Veranstalter von „HIV im Dialog 2009“. Neben der guten Präventionsarbeit der Selbsthilfe sei das auch ein Resultat des Schöneberger Modells, das die ambulante Patientenversorgung in HIV-Schwerpunktpraxen sichert.
Auf der zweitägigen Veranstaltung „HIV im Dialog“, die Mitte September im Berliner Roten Rathaus stattfand, wurden aktuelle Herausforderungen diskutiert. Neben Fragen der Wissenschaft standen vor allem Informationsveranstaltungen, Workshops und Sprechstunden auf dem Programm. Diskutiert wurde auch die Frage, welche Kampagnen geeignet sind, den Präventions- und Selbstschutzgedanken zu transportieren. Uli Meurer des Vorstandes der Berliner Aidshilfe (BAH) zeigte sich überzeugt, dass bisherige Kampagnen Erfolg gehabt hätten. Das würden die aktuellen Zahlen zeigen.
„Schöneberger Modell“ soll fortgeführt werden
Die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland ist seit mehreren Jahren stabil, bestätigte Uli Marcus vom Robert Koch-Institut. Von den 2.800 Fällen jedes Jahr entfällt nach wie vor der Großteil auf homosexuelle Männer. Die Stabilität der Neuerkrankungen führen die Veranstalter von „HIV im Dialog“ unter anderem auf die gute Präventionsarbeit der Selbsthilfegruppen und auf das so genannte Schöneberger Modell zurück. Dieses wurde vor 25 Jahren nach amerikanischem Vorbild in Berlin begründet und setzt auf eine Vernetzung von ambulanten und stationären Angeboten. Hausärzte, Neurologen und HIV-Schwerpunktpraxen arbeiten eng mit Selbsthilfegruppen und Kliniken zusammen, um nach der Infektion mit dem HI-Virus das Ausbrechen der Krankheit so lange wie möglich hinauszuzögern. Durch die am 1. Juli 2009 in Kraft getretene Qualitätssicherungsvereinbarung HIV/AIDS können die Schwerpunktpraxen weiter betrieben werden, nachdem die Finanzierung lange unsicher war.
Einschränkungen in der HIV-Versorgung drohen
Dennoch stehen dem Berliner Versorgungsnetzwerk harte Zeiten bevor, kritisierte Jörg Gölz vom Arbeitskreis AIDS. Neben den Hausärzten und Schwerpunktpraxen bildeten spezialisierte Fachärzte wie Dermatologen, Augenärzte oder Chirurgen ein wichtiges Rückgrat des „Schöneberger Modells“. Diese werden nach der neuen bundeseinheitlichen Regelung nicht mehr gefördert. „Dadurch wird es bei der Versorgung aufwändiger Krankheitsbilder, wenn zum Beispiel zugleich eine Krebserkrankung vorliegt, zu Einschränkungen des bisherigen Angebots kommen“, so Gölz. Für Burkhard Bratzke, Vorstandsmitglied der Berliner Kassenärztlichen Vereinigung, könnte das ernste Folgen haben. „Durch den Ausschluss der Facharztpraxen wird ein bundesweit einzigartiges Ärztenetz zerschlagen. Diese hervorragende ambulante Versorgung ist auch ein Grund dafür, dass in Berlin rund 20 Prozent der Infizierten in Deutschland behandelt werden.“
Weitere Informationen rund um „HIV im Dialog“, den Kongress zum Thema HIV und Aids in Berlin, sind zu finden unter: www.hiv-im-dialog.de