Patientenbrief

VERSORGUNGSQUALITÄT
Von den Briten lernen

Berlin - Was bringt „pay for performance“? In Deutschland steckt das Konzept noch in den Kinderschuhen, in Großbritannien liegen dagegen schon erste Ergebnisse vor.

Pay for performance bedeutet, die ärztliche Vergütung an die Qualität der Behandlung zu knüpfen, entsprechend wird der Begriff qualitätsorientierte Vergütung verwendet. Bezahlung nach Qualität – das klingt einfach, bedarf jedoch umfangreicher Vorarbeit um die Qualität der Leistung überhaupt erfassen zu können. Zur Voraussetzung hierfür sind beispielsweise Qualitätsindikatoren zu entwickeln. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat diesbezüglich einen ersten Schritt unternommen und im Sommer das Projekt „AQUIK – Ambulante Qualitätsindikatoren und Kennzahlen“ vorgestellt. Nach Aussage des KBV-Chefs Dr. Andreas Köhler ermöglicht dieses Projekt, „die Qualität der ärztlichen Leistungen transparent zu machen und eine zusätzliche Grundlage für die Bemessung der ärztlichen Vergütung zu schaffen.“ Für die Ärzte gilt es, festgelegte Ziele zu erreichen, um einen Qualitätszuschlag zu erhalten. Mit AQUIK steht dazu bisher ein Set von 48 Qualitätsindikatoren zur Verfügung. Obwohl Indikatoren unter anderem im Rahmen von Disease-Management-Programmen genutzt werden, sind systematisch bewertete und konsentierte Indikatoren die Ausnahme.

Was bringt pay for performance?
Kann mit Hilfe dieses Vergütungssystems die Versorgungsqualität tatsächlich verbessert werden? Ein Blick nach Großbritannien ist in diesem Zusammenhang hilfreich, denn während man in Deutschland noch über diese Vergütungsform diskutiert, hat die britische Regierung bereits 2004 ein pay for performance-Schema für Familienpraxen eingeführt. Dr. Regine Chenot veröffentlichte 2007 eine Studie über die Auswirkungen auf die Versorgung in Großbritannien.

Die Studie
In den Jahren 2004-2006 wurden 8.486 teilnehmende Arztpraxen in England und Schottland analysiert, wobei damit 99,5%, also 52.833.584 registrierte Patienten, erfasst wurden. Die Erhebung der Daten und die anschließende Auswertung erfolgte auf Basis von 146 evidenzbasierten Qualitätsindikatoren, die sich in folgende Bereiche aufteilen:

  • Patientenversorgung mit 10 chronischen Krankheitsbildern
  • Praxisorganisation
  • Patientenzufriedenheit
  • Zusätzliche Leistungen

Beispiel: Qualitätsindikator im Bereich Patientenversorgung
Ein Arzt bekommt 20 Punkte, wenn er mindestens 70% seiner Asthmapatienten innerhalb der letzten 15 Monate in seiner Praxis untersucht hat. Waren es dagegen weniger als 25% bekommt der Arzt keinen Punkt. Für die Punktevergabe innerhalb dieser Spanne gibt es eine Skala. Diese Punkte werden zusammengezählt, wobei maximal 1050 erreicht werden können.

91,3% der Arztpraxen erreichten das vorgegebene Ziel und entsprechend hoch sind die Ausgaben für Qualitätszuschläge. Als Folge macht der qualitätsorientiert vergütete Anteil durchschnittlich 25% des Arztgehalts aus. Dennoch lässt sich das Ergebnis nicht eindeutig auf eine Qualitätssteigerung zurückführen. Gründe dafür sind, dass nicht klar ist, inwieweit das Anspruchsniveau angemessen gesetzt wurde und ob andere Einflussfaktoren sich positiv auf die Versorgung ausgewirkt haben könnten. Außerdem gab es bereits vor der Einführung von pay for performance Maßnahmen zur Verbesserung der Leistungsqualität, deren Erfolg und Auswirkungen auf das Ergebnis nicht vernachlässigt werden dürfen. Der tatsächliche Einfluss von pay for performance auf die Qualität der Versorgung bleibt durch die Versorgungsforschung weiter zu klären.

Die Studie „Leistungsbezogene Bezahlung für Allgemeinärzte: Das englische Experiment“ kann im Internet nachgelesen werden:
www.allgemeinmedizin.med.uni-goettingen.de (PDF)

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