Berlin - Nach einer Krebsbehandlung äußern sich die meisten Patienten zufrieden über die medizinischen Entscheidungen ihrer Ärzte. Ein Defizit sehen sie jedoch bei der psychologischen Betreuung.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Nachrichtenmagazins Focus, welche die Deutsche Krebsgesellschaft kürzlich vorstellte. Demnach haben die Betroffenen professionelle Hilfe umso nötiger, je weniger Zeit seit der Diagnose verstrichen ist. 47 Prozent der Befragten geben an, dass sie zu dem Zeitpunkt, an dem sie von ihrer Krankheit erfahren haben, dringend eine psychologische Unterstützung gebraucht hätten. Während der Therapie sind es nur noch 20 Prozent und zum Zeitpunkt der Rehabilitation und Nachsorge 15 Prozent. In der Realität bekommen jedoch nur gut ein Viertel der Patienten zu irgendeinem Zeitpunkt überhaupt eine spezielle psychoonkologische Behandlung. Dementsprechend wird die psychologische Betreuung auch als größtes Manko der Behandlung wahrgenommen. Während sich jeweils ein Fünftel der Patienten negativ über die Leistungen der Krankenkasse oder Defizite in der Klinik oder der Praxis äußern, ist für 32 Prozent der Befragten die psychologische Betreuung das größte Problem gewesen.
Defizite in der psychoonkologischen Versorgung
Für die Bundesvorsitzende der Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V., Hilde Schulte, ist dies kein Zufall. Dem hohen Bedarf an psychoonkologischer Versorgung stehe derzeit kein ausreichendes Angebot gegenüber. Besonders in den Kliniken fallen die Betroffenen nach der Diagnosestellung dadurch in ein Loch. Prof. Dr. Joachim Weis von der Deutschen Krebsgesellschaft sieht das Problem vor allem in der Akutbehandlung im Krankenhaus, wo frühzeitig eine psychoonkologische Betreuung stattfinden müsste. Zwischen den fachlichen Erfordernissen und der Realität gäbe es große Diskrepanzen, so Weis. Von zentraler Bedeutung sei letztlich auch hier, dass die Finanzierung dieser Leistungen in den zuständigen Gremien wie dem Gemeinsamen Bundesausschuss stärker eingefordert werden müsste. Weis ist Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Psychoonkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft und sieht die Fachgesellschaften selber in der Pflicht.
Neben Betreuung ist auch Information wichtig
Dass vor einer professionellen psychologischen Behandlung auch die Kommunikation mit dem Arzt bedeutsam ist, zeigt die Befragung an anderer Stelle. 59 Prozent der Teilnehmer zeigen sich zufrieden mit den Informationen über Therapie, Risiken und Nebenwirkungen, die sie vom behandelnden Arzt erhalten. Für 40 Prozent bleiben hingegen einige oder gar alle Fragen offen. Auch hier offenbart sich, dass ein Großteil der Patienten mehr Aufklärung im persönlichen Gespräch mit dem Arzt wünscht. „Im Durchschnitt hat ein Arzt nur 7,5 Minuten Zeit für seinen Patienten“, so Hanns-Jörg Fiebrandt aus dem Bundesvorstand des Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. Die Gebührenordnungen ließen, laut Fiebrandt, dem persönlichen Gespräch zu wenig Raum. Selbsthilfegruppen könnten jedoch den Bedarf an fachlicher Information nur teilweise decken.
Insgesamt beteiligten sich mehr als 2.000 Patientengruppen an den Erhebungen des Focus. Recherchiert wurde über einen Zeitraum von sechs Monaten. Auf Fachkongressen und Selbsthilfe-Tagungen wurden Fragebögen für sämtliche Tumorarten verteilt und im Internet zum Downloaden auf die Homepages der größten Selbsthilfeverbände gestellt. Zusätzlich wurden in einer telefonischen Befragung Patientenmeinungen eingeholt.
Stellenwert des psychoonkologischen Bedürfnisses
Bei einer Patientenbefragung von Dr. med. Stefan Fuxius haben sich vier Informationsbedürfnisse herauskristallisiert, welche den Patienten seiner Praxis in dieser Reihenfolge wichtig sind:
Die Reihenfolge der Bedürfnisse und die Tatsache, dass der Wunsch nach psychosozialer Betreuung als letztes genannt wurde, zeigen aber auch, dass sich die Einstellung der Patienten zur Psychoonkologie im Laufe der Erkrankung verändern kann.
Näheres über die Studie ist im Internet zu finden unter www.krebsgesellschaft.de