Patientenbrief

Mai 2009

FORSCHUNG
Baden-Württemberg: Neues Krebsregister gestartet

Berlin - Wie viele Einwohner erkranken jährlich an Krebs? Wie sind Risikofaktoren zu identifizieren? Was sind geeignete Früherkennungsmaßnahmen? Zu diesen und anderen Fragen soll das neue baden-württembergische Krebsregister gesicherte Daten liefern.

Seit Anfang des Jahres gilt die Meldepflicht an das neu eingerichtete Register und am 1. April gab die Sozialministerin des Landes, Dr. Monika Stolz, offiziell den Startschuss. „Mit diesem Krebsregister setzt Baden-Württemberg neue Maßstäbe“, so Stolz. Die Erfassung aller Krebsneuerkrankungen in Verbindung mit der landesweiten elektronischen Meldung zahlreicher Daten sei in dieser Form erstmalig in Deutschland.

Zusammenarbeit dreier Träger
Für das Krebsregister kooperieren drei Träger, und zwar: die Deutsche Rentenversicherung, die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft und das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg. In der Trägerschaft der Deutschen Rentenversicherung wurde eine so genannte Vertrauensstelle eingerichtet, an die Ärzte und Kliniken die Krebsneuerkrankungen melden. Diese Daten werden chiffriert und als pseudonymisierte Datensätze an die beiden anderen Register weitergeleitet. Das klinische Register trägt die Krankenhausgesellschaft des Landes in Stuttgart. Es dokumentiert Therapiearten und Krankheitsverläufe und soll damit zur regionalen Qualitätssicherung in der Krankenversorgung beitragen. Der epidemiologische Teil des Registers – die flächendeckende Erfassung aller neu auftretenden Krebserkrankungen – ist beim Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg angesiedelt.
Die umfassende Krebsregistrierung soll neben dem Nutzen für Erkrankte und Ärzte auch große epidemiologische Forschungsvorhaben erleichtern. Außerdem fließen die Daten aus Baden-Württemberg in die regelmäßig aktualisierte bundesweite Krebsstatistik ein, die vom Robert Koch-Institut in Berlin zusammengestellt wird. „Krebs ist in Deutschland nach Herz-Kreislaufkrankheiten die zweithäufigste Todesursache. Daher ist eine umfassende Dokumentation aller Erkrankungsfälle ein zentrales Instrument, um in gesundheitspolitischen Fragen zu qualifizierten Entscheidungen zu kommen“, fasst Prof. Dr. Nikolaus Becker vom DKFZ die Bedeutung des Registers zusammen.

Mehrere Ausbaustufen
Es wird angestrebt, über drei Ausbaustufen bis 2011 alle Erkrankungen in Baden-Württemberg im Krebsregister zu erfassen. Dazu sollen im Rahmen einer ersten Ausbaustufe zunächst alle Fälle, bei denen die Krebsdiagnose ab dem 1. Januar 2009 gestellt wurde, von den vier Tumorzentren und zwölf onkologischen Schwerpunkten des Bundeslandes an das Krebsregister gemeldet werden. Im nächsten Schritt sollen alle weiteren Krankenhäuser und Pathologen in Baden-Württemberg einbezogen werden, gefolgt zuletzt von den niedergelassenen Ärzten und Zahnärzten. Ministerin Stolz betont aber, dass es selbstverständlich jedem Patienten freistehe, die Meldung des behandelnden Arztes durch einen Widerspruch zu unterbinden. Entwickelt wurde eine Information zum Register speziell für Patienten.



Nationales Krebsregister
In Deutschland haben zwar alle Bundesländer ein Krebsregister, nach wie vor fehlt es jedoch an einem Nationalen Register. Zurzeit wird diskutiert ein solches am Robert Koch-Institut einzurichten. Ziel ist es, über standardisierte flächendeckende und vollständige Datenerfassung präzise Aussagen zum Krebsgeschehen zu erhalten. Bislang ist lediglich ein Flickenteppich unterschiedlicher Datensammlungen vorhanden – aufgrund länderspezifischer Vorgaben variieren die Meldeverfahren erheblich. Die Meldepflicht für Krebserkrankungen gemeinsam geregelt haben beispielsweise die Länder Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und die Freistaaten Sachsen und Thüringen. Eine nationale Erfassung der Daten wäre im Sinne einer sektorenübergreifenden Qualitätssicherung bei der Versorgung der Krebskranken nützlich, aber auch, um beispielsweise Risikofaktoren zu identifizieren.

Ausführlichere Informationen zum neuen Krebsregister in Baden-Württemberg gibt es unter www.sozialministerium-bw.de

Das Patienteninformationsblatt zum Krebsregister ist im Internet zu finden unter www.sozialministerium-bw.de

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