Patientenbrief

STATIONÄRE VERSORGUNG UND PFLEGE
Patienten profitieren von Offenheit

Berlin - Von der Politik wird der Wettbewerb um die beste Qualität der Versorgung stets betont. Damit der Patient zwischen guten und weniger guten Angeboten im Gesundheitswesen differenzieren kann, haben Qualitätsberichte Hochkonjunktur

Bereits seit 2003 sind beispielsweise Krankenhäuser gesetzlich verpflichtet, regelmäßig strukturierte Qualitätsberichte zu veröffentlichen. Diese Berichte sollen von Patienten, einweisenden Ärzten und Krankenkassen genutzt werden. Versicherte können sich vor einer geplanten Operation über verschiedene Kliniken und deren Anzahl an Behandlungen und Erfolge informieren, Ärzte und Kassen ihren Patienten Empfehlungen aussprechen. Seit 2003 gibt es jedoch auch immer wieder Kritik über die schlechte Lesbarkeit und mangelnde öffentliche Bekanntmachung dieser Qualitätsberichte. Das für die inhaltliche Struktur der Berichte zuständige Gremium, der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), hat deshalb mehrfach Lesehilfen und Richtlinien veröffentlicht. Im Dezember 2007 erschien eine ausführliche Erläuterung für die Qualitätsberichte der Krankenhäuser. „Diese Lesehilfe wurde im G-BA von Patienten für Patienten entwickelt und ist ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Transparenz“, sagt der Vorsitzende des G-BA für den Krankenhausbereich, Prof. Dr. Michael-Jürgen Polonius. Wichtig für den Leser sei vor allem die Übersetzung der schwer zu umgehenden medizinischen Fachsprache.

Der Patient findet alles Wichtige im Internet
Der jüngste Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses gibt vor, dass Kliniken, die zur Versorgung von Früh- oder Neugeborenen zugelassen sind, ihre Ergebnisse künftig im Internet veröffentlichen sollen. Auf den Websites der speziellen Perinatalzentren werden damit Daten über Hirnblutungen, Darmerkrankungen sowie die Sterblichkeitsraten publiziert. Diese Richtlinie steht beispielhaft für das Informationsangebot, dass Patienten in immer stärkerem Maße online zur Verfügung steht. Mehrere Internetportale bieten Beratung, Aufklärung und auch Qualitätsdaten über die ärztliche Versorgung an. Das „Deutsche Krankenhaus Verzeichnis“, ein Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Krankenhausgesellschaft und ihrer 16 Landesorganisationen, soll die Vorbereitungen bei der Krankenhauswahl erleichtern. Neben Basisinfos für Klinikpatienten bietet das Portal vor allem eine ausführliche und vollständige Suche nach der richtigen Klinik. Dabei kann der Patient regional, nach Krankheitsbild oder nach Qualitäts-, Struktur- oder Leistungsdaten suchen.

„Weiße Liste“ für optimale Patienteninformation
Die Suche nach einer Klinik ist auch die zentrale Funktion der unabhängigen „Weißen Liste“ der Bertelsmann-Stiftung. Neben den von den Krankenhäusern veröffentlichten Daten sollen zukünftig auch Patientenerfahrungen in die Weiße Liste einfließen. Die Kliniken können sich in das Internetportal einloggen und den vorbereiteten Kurzfragebogen herunterladen. Durch erfragte Angaben zu Service, Beziehung zum Arzt oder zum Pflegepersonal werden die harten Daten mit individuellen Einschätzungen von Patienten ergänzt. Die „Weiße Liste“ will deshalb kein fachliches Ranking sein, sondern ein zugeschnittenes, individuelles Informationsangebot bieten. Das Projekt wird unterstützt vom Sozialverband Deutschland, vom Bundesverband der Verbraucherzentralen und von vielen Patientenorganisationen wie der Deutschen Arbeitgemeinschaft Selbsthilfegruppen. Schirmherrin ist die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Helga Kühn-Mengel.

Pflegeeinrichtungen ziehen nach
Auch in der Altenpflege setzen sich die Qualitätsberichte für die breite Öffentlichkeit immer stärker durch. Da die Wahl eines Altenpflegeheims selten auf Empfehlung des Arztes oder medizinische Notwendigkeit zurückgeht, ist der Informationsbedarf der künftigen Bewohner groß. Der Pflegeheim-Navigator der AOK bietet beispielsweise eine einfache Suche unter allen bundesweiten Einrichtungen mit Links zu den jeweiligen Qualitätsberichten. Ein großes unabhängiges Portal, das Heimverzeichnis, befindet sich noch im Aufbau. Es wird betrieben von der Bundesinteressenvertretung der Nutzerinnen und Nutzer von Wohn- und Betreuungsangeboten im Alter und bei Behinderung (BIVA).
Das Bundesgesundheitsministerium hat jüngst die Frequenz der Berichte von Pflegeeinrichtungen erhöht. Ab 2011 wird jedes Pflegeheim einmal jährlich vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen geprüft. Die Ergebnisse der Prüfungen sind in jedem Fall im Internet und im Haus selber einsehbar.



Links zu den wichtigsten Portalen

Die Lesehilfe des Gemeinsamen Bundesausschusses hilft medizinischen Laien, die Qualitätsberichte der Krankenhäuser zu verstehen.
www.g-ba.de (PDF)

Das Deutsches Krankenhaus Verzeichnis bietet die umfangreichste Suche nach der geeigneten Klinik. Suchkriterien können regional, krankheitsspezifisch oder nach Qualitätsmaßstäben gewählt werden.
www.deutsches-krankenhaus-verzeichnis.de

Die Krankenhaussuche um Patientenmeinungen ergänzen, das ist das Ziel des unabhängigen Portals „Weiße Liste“. Zusätzlich kann man hier nach Ärzten oder Physiotherapeuten suchen.
www.weisse-liste.de

Die AOK bietet mit dem Pflegeheim-Navigator eine einfache Suche unter allen deutschen Pflegeheimen an. Die Qualitätsberichte sind jeweils verlinkt.
www.aok-pflegeheimnavigator.de

Das Heimverzeichnis, ein großes unabhängiges Portal über Pflegeheime, befindet sich noch im Aufbau.
www.heimverzeichnis.de

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