Patientenbrief

INTERNET
Mail, Forum, Chat – neue Formen der Selbsthilfe

Berlin - Die moderne Kommunikation bringt es mit sich, dass neben "herkömmlichen“ Selbsthilfegruppen virtuelle Zusammenschlüsse im Internet entstehen. Einige Möglichkeiten und ein NAKOS-Entwicklungsprojekt stellen wir vor.

Einerseits gibt es mittlerweile unzählige Internetportale, die Informationen zu bestimmten Krankheitsbildern bieten, andererseits nehmen auch die Möglichkeiten zu, mit anderen Betroffenen via Internet ins Gespräch zu kommen und beispielsweise Erfahrungen auszutauschen. Diese Möglichkeiten werden auch zunehmend von Selbsthilfegruppen erkannt. Manche dieser Organisationen nutzen das Internet als ergänzendes Angebot. Andere konzentrieren sich wiederum ausschließlich auf die neuen, modernen Kommunikationsformen.

Neue Welt der Kommunikation

  • Nach Informationen suchen: Über Suchmaschinen wie Google lassen sich Internetseiten zu bestimmten Krankheitsbildern finden. Zahlreiche Organisationen und Interessengemeinschaften bieten Hintergrundinformationen, Adressen, Kontaktmöglichkeiten sowie Hinweise auf Bücher und Veranstaltungen auf eigenen Internetseiten an.
  • Austauschen von Informationen: Wer sich persönlich über ein bestimmtes Thema austauschen möchte, hat gleich eine ganze Vielfalt an Möglichkeiten zur Auswahl: Diskussionsforen, Mailing-Listen und Selbsthilfe-Chats ("Chat" steht für Unterhaltung). Diese werden je nach Angebot von einer Begleitperson kontrolliert und unterstützt oder sogar moderiert. Üblicherweise geschieht der Austausch anonym, wobei sich die Teilnehmer einen anderen, selbst gewählten Namen geben.

Bei einem Diskussionsforum können rund um die Uhr in einem Eingabefenster Beiträge verfasst werden, die auf einer Internetseite für alle Interessierten zugänglich sind. Teilweise muss man sich vorher als Teilnehmer registrieren. Eine Mailing-Liste setzt ein vorgängiges Registrieren voraus. Wie beim Forum können Fragen, Meinungen und Antworten ausgetauscht werden. Die Teilnehmer erhalten jedoch die einzelnen Beiträge per E-Mail.

Ein Chat bietet Austausch in Echtzeit: Zu bestimmten angekündigten Zeiten oder rund um die Uhr besteht die Möglichkeit, in einem speziell eingerichteten "Chatraum“ gemeinsame schriftliche "Gespräche“ zu führen. Im Gegensatz zum Forum und zur Mailing-Liste ist es Voraussetzung, dass sich mehrere Menschen gleichzeitig "virtuell“ zusammenfinden. Mitmachen kann, wer sich vorher registriert hat.

Entwicklungsprojekt der NAKOS gestartet
Zweifellos entsteht eine neue Kultur der Selbsthilfe im Internet, die immer größeren Raum einnimmt. Das Entwicklungsprojekt "Selbsthilfe und Neue Medien — Bestandsaufnahme, Differenzierung, Wirkungsanalyse und Kriterienentwicklung“ der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS) greift diese Entwicklung auf. Das Projekt wird im Zeitraum 2009/2010 vom Bundesgesundheitsministerium sowie dem AOK Bundesverband und dem BKK Bundesverband gefördert. Konkret soll ein Überblick ü̈ber die Angebote der Selbsthilfe im Internet gewonnen und eine Systematisierung der unterschiedlichen Formen der Online-Selbsthilfe vorgenommen werden. Die Wirkung des Austausches im Internet wird daraufhin betrachtet, welche Möglichkeiten diese für die Vorbeugung von Krankheiten bietet. Ebenso wird untersucht, ob das Internet geeignet ist, solche Menschen auf Selbsthilfegruppen aufmerksam zu machen, die sich bisher noch nicht für diese Möglichkeit interessiert haben Ziel des Projektes ist u.a. die Erarbeitung von Kriterien für die Beurteilung von Selbsthilfeangeboten im Internet.

Kommunikativer Austausch noch die Ausnahme
In einer ersten Analyse der Zwischenergebnisse innerhalb des NAKOS-Projektes zeichnet sich ab, dass fast alle Selbsthilfeorganisationen und -kontaktstellen in Deutschland heute einen Webauftritt haben und Informationen im Netz bekannt geben. Aber nur ein kleiner Teil bietet der Analyse zufolge auch kommunikative Austauschmöglichkeiten an. Daneben existiert eine Vielzahl anderer Akteure, die häufig nicht aus der Selbsthilfe kommen. Offensichtlich handelt es sich dabei gerade um solche Themen, für die es kaum Selbsthilfegruppen mit einem entsprechenden Informations- oder Hilfeangebot gibt oder auch Themen, für die die Wahrung von Anonymität besonders wichtig ist. Dies betrifft psychosoziale Themen wie zum Beispiel Mobbing, Ängste, Missbrauch, Trauer, Essstörungen und Sucht sowie seltene Erkrankungen, so ein Zwischenfazit von NAKOS.

Weitere Informationen zum Themenkomplex "Selbsthilfe und Internet" sind zu finden auf der Website der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS)

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