Patientenbrief

Januar 2009

UMFRAGE
Immer weniger Kassenpatienten zufrieden

Berlin - Nur noch 56 Prozent der Kassenpatienten fühlen sich in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) „gut abgesichert“. Das ist ein Ergebnis des dritten "MLP Gesundheitsreport 2008".

Umgekehrt nimmt bei den etwa 9 Millionen Mitgliedern der privaten Krankenversicherung (PKV) die Zufriedenheit weiter zu: 89 Prozent fühlen sich aktuell „gut abgesichert“, 2005 gaben das 87 Prozent der Befragten an. Die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems insgesamt beurteilen 59 Prozent der Bevölkerung als „gut“ oder „sehr gut“ – acht Prozentpunkte weniger als 2005 und 23 Prozentpunkte weniger als 1994.

Analysen offenbaren Vertrauensschwund
Bestätigt wird der Vertrauensschwund durch weitere Untersuchungen, die kürzlich veröffentlicht worden sind:

  • „Großes Vertrauen“ und „etwas Vertrauen“ in die GKV hatten im Jahr 2006 knapp 70 Prozent der Deutschen. Im Jahr zuvor (2005) waren es allerdings noch 73 Prozent. Das steht im „Datenreport 2008: Der Sozialbericht für Deutschland“, ein Gemeinschaftswerk des Statistischen Bundesamtes (Destatis), des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) und der Gesellschaft sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen (GESIS).
  • Nach dem neuen Europa-Gesundheitskonsumenten-Index (EHCI) belegt Deutschland aktuell den 6. Platz bei den „konsumentenfreundlichsten“ Gesundheitssystemen Europas, gemessen an 31 Ländern hinter Holland, Dänemark, Österreich, Luxemburg und Schweden. Damit ist die Bundesrepublik weiter abgestiegen, nach dem Rückfall vom 3. auf den 5. Platz im Vorjahr. Fazit der Herausgeber: „Das deutsche Gesundheitssystem verliert weiter an Boden.“
  • Chronisch Kranke sind nach Ergebnissen einer aktuellen Untersuchung des Commonwealthfund in acht Staaten (Deutschland, Australien, Kanada, Frankreich, Holland, Neuseeland, Großbritannien, USA) hierzulande insgesamt nur mittelmäßig versorgt. Kostenbedingte Zugangsprobleme zur medizinischen Versorgung sind nach der in Washington veröffentlichten Untersuchung in vier Ländern teilweise deutlich niedriger als hierzulande (26 Prozent), deutlich besser schneiden Holland und Großbritannien ab. Über Koordinierungsprobleme – u.a. nicht vorliegende Testergebnisse – berichten in Deutschland ebenfalls 26 Prozent der chronisch Kranken – in sechs anderen Ländern waren die Beschwerdequoten geringer. Medizinische, Arznei- und Laborfehler beklagten in Deutschland 19 Prozent der chronisch kranken Versicherten – in zwei Ländern waren die Beschwerdeanteile in diesem Punkt aber nur geringfügig niedriger.

Zwei Drittel der GKV-Versicherten zutiefst pessimistisch
Der MLP-Gesundheitsreport 2008 ermöglicht ein differenziertes Bild von Einschätzungen sowohl von gesetzlich und privat Versicherten als auch von Ärzten über die Gesundheitsversorgung insgesamt. Ausgewählte Ergebnisse der aktuellen Befragungen im Überblick:

  • 59 Prozent der Bevölkerung beurteilen Gesundheitssystem und Ge-sundheitsversorgung als „gut“ oder „sehr gut“. Das ist der niedrigste Wert seit 2004. Der Spitzenwert wurde 2005 mit 67 Prozent gemessen. „Nicht so gut“ und „gar nicht gut“ finden 39 Prozent der Befragten System und Versorgung. Das ist die höchste Quote im selben Zeitraum (2005: 30 Prozent). Ärzte schätzen die Gesundheitsversorgung deutlich besser ein als die Bevölkerung (17 Prozent „sehr gut“, 63 Prozent „gut“).
  • 60 Prozent der Bevölkerung und 57 Prozent der Ärzte gaben an, die Qualität der Gesundheitsversorgung habe sich in den „letzten zwei, drei Jahren verschlechtert“, jeweils knapp ein Drittel meinen, die Qualität sei „in etwa gleich geblieben“.
  • Die künftige Entwicklung in den nächsten zehn Jahren schätzen Ärzte wie folgt ein: 87 Prozent erwarten einen verstärkten Trend zur Zwei-Klassen-Medizin, 84 Prozent befürchten, es werde als Arzt schwieriger sein, die medizinisch notwendigen Leistungen zu verordnen, 81 Prozent halten eine Gesundheitsversorgung auf dem heutigen Niveau nicht mehr für alle Patienten für gewährleistet und 76 Prozent meinen, die Kassen würden künftig nur noch die Kosten für die „medizinische Grundversorgung“ übernehmen.
  • Die Bevölkerung ist in einigen Zukunftsfragen insgesamt nur geringfügig optimistischer als die Ärzteschaft. Zwar erwarten 82 Prozent anhaltend steigende GKV-Beiträge. Die Tendenz zur Zwei-Klassen-Medizin halten 69 Prozent für zunehmend und 64 Prozent rechnen künftig nur noch mit einer Grundversorgung in der GKV. 61 Prozent zeigen sich überzeugt, dass eine Gesundheitsversorgung auf heutigem Niveau in den nächsten zehn Jahren nicht mehr für alle gewährleistet sein wird.
  • Der Wunsch gesetzlich Krankenversicherter, sich zusätzlich privat abzusichern, wächst auf einen neuen Spitzenwert von 44 Prozent. (1997: 23 Prozent). Fast jeder Zweite erwägt, private Zusatzversicherungen für Krankheitsfälle abzuschließen.



Der MLP-Report
Für den in Berlin vorgestellten dritten „MLP Gesundheitsreport 2008“ befragte das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) im September/Oktober 2008 1.773 Bundesbürger „face to face“ sowie 517 Ärzte aus Praxen (303) und Kliniken (214) telefonisch. Die Stichprobe war nach IfD-Angaben repräsentativ für die deutsche Bevölkerung. MLP, Initiator und Finanzier des „Gesundheitsreports“, ist ein großer privater Finanzdienstleister.
Der Bericht kann im Internet nachgelesen werden:
www.mlp-gesundheitsreport.de

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