Berlin - Auf einer Pressekonferenz hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit (IQWiG) seine Bilanz für das Jahr 2008 vorgestellt. Tenor: Das Institut hat sich konsolidiert.
Die Bilanz in ausgewählten Zahlen: elf Abschlussberichte, 20 Vorberichte und 14 Berichtspläne, eine überarbeitete Version der Allgemeinen Methoden sowie ein neu entwickeltes Konzept für die Bewertung von Kosten-Nutzen-Verhältnissen bei Arzneimitteln.
Schröder: Institut auf gutem Weg
Die Arbeit des IQWiG ist nach Ansicht von Dr. Klaus Theo Schröder, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, als „sehr hoch“ zu bewerten. „Nach der Aufbauphase ist das IQWiG jetzt in einer Konsolidierungsphase“, konstatiert Schröder anlässlich der Jahrespressekonferenz. Das Institut sei auf einem guten Weg. Für 2009 rechnet der Staatssekretär mit einem Durchbruch in der Kosten-Nutzen-Bewertung. „Die Methodendiskussion wird im nächsten Jahr abgeschlossen.“ Er hoffe dann auch auf Akzeptanz von Seiten der Industrie. Es sei nicht politische Absicht, in Deutschland eine vierte Hürde für Arzneimittel zu errichten, das heißt eine separate Entscheidung darüber, ob ein Arzneimittel nach seiner arzneimittelrechtlichen Zulassung von den Kassen grundsätzlich bezahlt wird. Allerdings könne eine solche Absicht auch provoziert werden, so Schröder.
Gernot Kiefer vom IKK-Bundesverband macht auf eine Trendwende 2008 aufmerksam. „Erstmals dominiert in diesem Jahr nicht mehr die Bewertung von Arzneimitteln, das Thema Versorgungsqualität hat an Bedeutung gewonnen. So wurde anhand von Leitlinien überprüft, ob Disease Management Programme aktualisiert und angepasst werden müssen“, sagt der Vorstandssprecher der Stiftung IQWiG. Mittlerweile werde die Arbeit auch in der Versorgung spürbar, stellt Institutsleiter Prof. Peter T. Sawicki auf Journalisten-Nachfrage bezüglich einer Bilanz fest. Als ein Ergebnis nennt er die Einführung des Neugeborenen-Hörscreenings. Außerdem habe Deutschland bei der Anwendung evidenzbasierter Medizin den Rückstand zu den angelsächsischen Ländern aufgeholt.
WHO prüft Patienteninformationen
Zufrieden zeigt sich Sawicki mit den Patienteninformationen, die das Institut bereits seit 2006 erstellt, insbesondere mit den internationalen Kommentaren zu ihrer Qualität. Großer Wert werde auf den informativen Aspekt gelegt, man wolle nicht erzieherisch wirken. Die Website des Instituts für Patienteninformationen wird derzeit durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) evaluiert, mit Ergebnissen rechnet der IQWiG-Chef Anfang des Jahres.
Erhebliche Defizite sieht Sawicki in der Versorgungsforschung. Denn es werde zwar immer die Frage beantwortet: Kann ein Verfahren unter optimalen Bedingungen einen Nutzen haben? Die eigentliche Frage sei aber: „Hat es unter Alltagsbedingungen einen tatsächlichen Nutzen?“, so Sawicki.
Das IQWiG in Kürze
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen wurde mit der Gesundheitsreform 2004 gegründet. Arbeitsaufträge erhält das Institut hauptsächlich vom Gemeinsamen Bundesausschuss, dem obersten Beschlussgremium der Selbstverwaltung. Expertisen darf jedoch auch das Bundesgesundheitsministerium anfordern. Darüber hinaus kann das IQWiG in eigener Regie für die Gesundheitsversorgung relevante Fragen aufgreifen. Künftig untersucht das Institut auch Kosten medizinischer Verfahren. Finanziert wird es aus Mitteln der Gesetzlichen Krankenversicherung. Das Jahresbudget liegt bei rund 15 Millionen Euro.
Weitere Informationen zum IQWiG unter
www.iqwig.de