Berlin - Ende Dezember wurde das erste Kartenterminal in einer nordrhein-westfälischen Praxis installiert. Wie geht es weiter? Lesen Sie mehr über den genauen Zeitplan der e-Card.
Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte ist das größte Infrastrukturprojekt in der Geschichte des deutschen Gesundheitswesens. Um dieses gigantische Projekt zu stemmen, wurde die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH, kurz Gematik, gegründet. Sie ist für die Einführung, Pflege und Weiterentwicklung der Karte zuständig.
Basis-Rollout gestartet
Mit der Installation des ersten Leseterminals für die neue Karte in einer nordrhein-westfälischen Praxis erfolgte im Dezember der Startschuss für den ersten Schritt des Rollouts. Im so genannten Basis-Rollout werden alle Ärzte mit Hardware und Software ausgestattet, um die e-Card künftig lesen und beschreiben zu können. Erst im zweiten Schritt erhalten die Versicherten von ihrer Krankenkasse die neue Karte. Den Anfang beim Basis-Rollout macht die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein. Dort sollen binnen weniger Monate rund 18.000 Praxen mit stationären und mobilen Lesegeräten ausgerüstet werden. Die Kosten für die Ärzte übernimmt die KV.
KBV bestätigt Verzögerung
Nach erfolgreicher Einführung in Nordrhein soll die Karte Schritt für Schritt im gesamten Bundesgebiet eingeführt werden. Der ursprüngliche Zeitplan, Anfang 2009 mit dem flächendeckenden Rollout zu beginnen, wird dabei nicht eingehalten. Dr. Carl-Heinz Müller, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, bestätigte im Dezember die Verzögerung: „Voraussichtlich wird der Rollout in Nordrhein erst nach dem ersten Quartal 2009 ins Rollen kommen.“ Deutschlandweit ist mit der e-Card frühestens in der zweiten Jahreshälfte zu rechnen.
Stufe für Stufe: Die neuen Funktionen
Die e-Card beginnt mit den Basisfunktionen der Ausbaustufe 1: den Versichertenstammdaten und der europäischen Versichertenkarte. Einzig sichtbare Neuerung ist das Foto auf der Vorderseite. Um die Einführung dieser und weiterer Funktionen zu testen, wurden 2007 sieben Modellregionen gebildet, die alle Möglichkeiten der Karte praxisnah untersuchten. Die Regionen führten zuerst Tests mit 10.000 Versicherten durch, ehe sie mit so genannten 100.000er-Tests beginnen. Dabei sind vielerorts praktische Probleme mit der Karte aufgetreten. Das Einlesen der Stammdaten dauere länger und Signaturvorgänge seien zu aufwändig, berichtet beispielsweise die Modellregion Bochum-Essen. Schwierigkeiten beim Einlesen der Karten oder am Terminal waren hingegen vergleichsweise selten. Bei über 60.000 ausgegebenen Karten traten in der ersten Jahreshälfte 2008 in den Modellregionen nur ca. 100 Fehler dieser Art auf, so das Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen (ZTG). Nach dessen Darstellung ist die Akzeptanz bei den Versicherten hoch. Das ZTG hat die Modellregion Bochum-Essen wissenschaftlich begleitet.
Die schwierigen Tests kommen noch
Hauptaugenmerk der Testläufe sind bisher die relativ unstrittigen Ausbaustufen 1 und 2 der Karte (siehe Artikel Basiswissen für Patienten). Die hauptsächliche Kritik von Seiten der Ärzte und Patienten entzündet sich allerdings an Funktionen, die erst später getestet und eingeführt werden – wie zum Beispiel die elektronische Patientenakte. Die dabei vorgesehenen Datensammlungen und Onlineanbindungen könnten im Praxistest und spätestens bei Einführung die bisherige Akzeptanz in den Modellregionen schwächen. Ein erster Test der Onlineanbindung wurde in Sachsen unter Laborbedingungen erfolgreich durchgeführt.
Der Zwischenbericht der Gematik
Im Dezember 2008 veröffentlichte die Gematik einen ersten Zwischenbericht nach 18 Monaten Feldtests in den sieben Modellregionen. Die Ergebnisse werden sehr zurückhaltend bewertet. Zusammenfassend heißt es allgemein: „Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass die Feldtests einerseits die Tauglichkeit gewisser Anwendungen nachweisen konnten und andererseits bei einigen Themen ein erhebliches Verbesserungspotenzial aufgezeigt haben.“ Auch die Methodik der Tests selbst muss nach Aussagen des Berichtes optimiert werden. Vor allem die Praxistauglichkeit der Technik muss offenbar deutlich verbessert werden. Die Gematik will die Ergebnisse in die bis Ende Januar 2009 verlängerten Testmaßnahmen einfließen lassen, hält am grundsätzlichen Zeitplan aber fest.
Der Bericht kann auf der Website der Gematik heruntergeladen werden:
www.gematik.de