Berlin - Das Gesundheitswesen befindet sich im Umbruch. Das ist besonders in der stationären Versorgung erkennbar.
Es werden Krankenhäuser geschlossen, andere privatisiert, die Verweildauer von Patienten wurde radikal verkürzt und ein jahrelanger massiver Abbau von Pflegepersonal lässt eine gute Patientenversorgung immer öfter an Grenzen stoßen.
Baustelle Qualitätssicherung
Es gibt Kliniken, die einem Vier-Sterne-Hotel gleichen und anderen Häusern sieht man schon von außen einen baulichen Verfall an. Dass auch mit der medizinischen Versorgung auf den Krankenhausstationen einiges im Argen liegt, wissen nicht nur Experten. Patientengeschichten zeigen, dass sich die Situation zunehmend verschlechtert. Besonders dort, wo nicht allein Geldmangel Schuld an Versäumnissen und Missständen wie beispielsweise mangelnde Hygiene ist, wird nach Optimierungsmöglichkeiten gesucht. Eine große Baustelle ist die Qualitätssicherung. Es passieren zu viele Fehler war die Erkenntnis des Gesetzgebers, der im Jahr 2001 ein medizinisches Benchmarking eingeführt hat. Dies ermöglicht den Krankenhäusern von den jeweils Besten in einer Disziplin zu lernen. Dazu wurde die Bundesgeschäftsstelle für Qualitätssicherung (BQS) ins Leben gerufen. Sie koordiniert die externe vergleichende Qualitätssicherung in deutschen Krankenhäusern. Seitdem existieren wissenschaftlich fundierte Aussagen über die medizinische und pflegerische Qualität.
Flächenland oder Stadtstaat?
Weitaus weniger Erkenntnisse bestehen bezüglich der stationären Versorgungssituation in den einzelnen Regionen. „Wir stehen da noch ziemlich am Anfang“, weiß Dr. Björn Misselwitz. Er leitet die Geschäftsstelle Qualitätssicherung in Hessen. Krankenhäuser fallen in die Regelungskompetenz der einzelnen Bundesländer. Grundsätzlich müsse man bei der stationären medizinischen Versorgung Flächenländer und Stadtstaaten unterscheiden. Am Beispiel der Schlaganfallversorgung könne man sagen, dass mit Sicherheit nicht jeder Mensch im Flächenland Hessen die gleiche Chance auf eine optimale Versorgung habe. „Es gibt Lücken. Wenn man beispielsweise in x wohnt, hat man im Falle eines Schlaganfalls eine schlechte Versorgung“, so Misselwitz. Konkrete Lücken werden derzeit von ihm und seinen Kollegen ermittelt und zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht. Wann und wo dies geschieht steht derzeit noch nicht fest.
Ähnliches gelte laut Misselwitz für alle anderen Akut-Fälle. Wie schwierig die Ermittlung von Versorgungssituationen ist, zeigt die Tatsache, dass für den Patienten die Versorgung schließlich nicht an der Landesgrenze endet. Wer einen Herzinfarkt in abseits gelegenen hessischen Regionen erleidet, kann selbstverständlich auch in Rheinland-Pfalz versorgt werden. Auch diese Aspekte müssen bei der Datenanalyse methodisch beachtet werden.
Trend geht zur Spezialisierung
Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass in einem medizinischen Notfall der Wohnort bzw. der Unfallort ganz entscheidend für die Versorgung ist. Anders verhält es sich bei planbaren Operationen. Hier können Patienten in Absprache mit ihrem Arzt ein Krankenhaus nach verschiedenen Aspekten auswählen. Fahrtwege müssen Patienten dafür in Kauf nehmen, denn der Trend in der Krankenhausversorgung geht hin zur Spezialisierung, das bedeutet zunehmend Zentrenbildung. Dies bescheinigt auch Prof. Ulrich Wenner, Richter am Bundessozialgericht, anlässlich einer Fachveranstaltung zur spezialisierten Versorgung in Berlin: „Angesichts einer mobilen Gesellschaft muss nicht in jeder kleinen Stadt eine humangenetische Beratungsstelle vorgehalten werden.“ Eine solche Beratungsstelle berät beispielsweise zum Thema Erbkrankheiten.
Stationäre Versorgung in Zahlen:
In Deutschland gibt es 2.087 Krankenhäuser. Im Durchschnitt entfallen auf 100.000 Einwohner 616 Betten. Die Werte variieren hierbei zwischen 819 Betten in Bremen und 528 Betten in Niedersachsen.
Die durchschnittliche Verweildauer pro Patient beträgt nur noch 8,3 Tage. Im Vergleich: 1991 waren es noch 14 Tage. Die Bettenauslastung liegt derzeit bei 77,2 Prozent.
Quelle: Statistisches Bundesamt, 2007
Weitere Informationen zur Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) unter
www.bqs-online.com
zur Geschäftsstelle Qualitätssicherung in Hessen unter
www.gqhnet.de
zu Ärzten und Krankenhäusern in den einzelnen Bundesländern unter
www.statistik-portal.de