Patientenbrief

Dezember 2009

VERSORGUNG
Start für sektorenübergreifende Qualitätssicherung

Berlin - Seit 2004 lädt der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) im November zur Qualitätskonferenz. Bisher ging es um die Präsentation der Qualitätsergebnisse der Krankenhaus-Behandlungen. In diesem Jahr fällt der Startschuss für eine sektorenübergreifende Betrachtung der Qualitätssicherung.

470 Teilnehmer, darunter auch Patientenvertreter, setzen sich in Workshops und Diskussionsrunden mit den vielen Aspekten zur Qualitätssicherung auseinander. Der Gesetzgeber hat den G-BA damit beauftragt, die gesamte Behandlungskette unter qualitativen Gesichtspunkten anzusehen und nicht länger eine Station, die der Patient durchläuft, isoliert zu betrachten. Damit hat der G-BA jetzt erstmals das unabhängige Institut AQUA beauftragt. Der Geschäftsführer, Prof. Joachim Szecseny, hat auf der diesjährigen Qualitätssicherungskonferenz in Berlin erstmals seine Vorgehensweise vorgestellt. Dr. Stefan Etgeton, Patientenvertreter im G-BA, betont: „Eine sektorübergreifende Qualitätssicherung kann es nur geben, wenn es auch eine sektorübergreifende Versorgung gibt“. Damit erinnert er an das noch immer nicht gut funktionierende Miteinander der verschiedenen Versorgungsebenen. Etgeton: „Wir benötigen ein vernünftiges Datenschutzkonzept, damit Patientenverläufe nachvollziehbar gemacht werden können, ohne den gläsernen Patienten zu haben.“ An die neuen Qualitätssicherer hat er eine dringende Bitte: „Denken Sie das Ganze von Anfang an vom Ende her, also von der Veröffentlichung.“ In der Vergangenheit seien die Berichte für Patienten kaum verständlich gewesen.

Qualitätssicherung mit Konsequenzen
Dr. Franziska Diel, bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung mit dem Thema betraut, macht ihre Erwartungen an das Institut deutlich: „Ganz viel Neues wagen, ohne Altes zu zerschlagen.“ Für den GKV-Spitzenverband spitzt Magnus von Stackelberg seine Intention an eine solche Qualitätssicherung zu: „Von einer konsequenten Qualitätssicherung zu einer Qualitätssicherung mit Konsequenzen“. Dr. Günther Jonitz, Vertreter der Berliner Ärzekammer, ist schon „gespannt auf die Umsetzung. Wir werden nicht müde, das Thema voran zu treiben.“ Angesichts der vielen Baustellen zu dem Thema gibt er zu bedenken, dass es nicht klug sei, das Thema Patientensicherheitsindikatoren an mehreren Stellen gleichzeitig zu bearbeiten. Damit spielt er darauf an, dass ein Teil der Selbstverwaltung eigene Wege beschreiten will, nachdem man sich mit der Beauftragung des bestehenden Instituts der Bundesgeschäftsstelle für Qualitätssicherung nicht durchsetzen konnte. Die Vorbehalte sind spürbar, was den Vertreter der Deutschen Krankenhausgesellschaft dann auch dazu veranlasst zu versprechen „Vorbehalte abzubauen“. Dr. Bernd Metzinger: „Wir werden Ihnen einen Vertrauensvorschuss geben.“

Wie geht es weiter?
AQUA-Chef Szecseny, der weiß, „dass es nicht immer ganz reibungslos“ zugehen wird, erläutert, wie die nächsten Schritte aussehen werden. Anfang Dezember wird der Entwurf des Methodenpapiers vorgestellt, die Überarbeitung ist bis Ende Januar veranschlagt. Dann werden die ersten Aufträge bearbeitet. Zur Indikatorenentwicklung nutze das AQUA ein modifiziertes, erprobtes, mehrstufiges strukturiertes Bewertungsverfahren mit Einführungsworkshop und Konsensusverfahren. Alle Entwicklungsschritte und Ergebnisse würden transparent dargelegt.



Erste Aufträge an Qualitätsinstitut erteilt
Im November hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die ersten vier Aufträge an das AQUA-Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen erteilt. Entwickelt werden sollen Qualitätsindikatoren und -instrumente:

  • für die Konisation (gynäkologischer Eingriff),
  • für die Katarakt-Operationen (grauer Star),
  • für die PTCA (perkutane transluminale Coronarangioplastie, ein Verfahren zur Behandlung von Herzkranzgefäßverengungen) sowie
  • für das kolorektale Karzinom (Darmkrebsbehandlung).

Die Themen wurden beauftragt, da sie viele Patienten betreffen und ein deutliches Potential für Qualitätsverbesserungen aufweisen, heißt es beim G-BA. Mit der Bearbeitung soll „möglichst bald“ begonnen werden.

Weitere Informationen zu den Aufträgen des Gemeinsamen Bundesausschusses an das Qualitätsinstitut AQUA gibt es unter: www.g-ba.de

Mit der sektorenübergreifenden Qualitätssicherung übernimmt das AQUA Institut eine neue Aufgabe. Mehr zu erfahren ist unter: www.aqua-institut.de

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