Berlin - Selbsthilfe und Reha – beide können von einer Zusammenarbeit profitieren. Doch wie sieht es in der Praxis mit solchen Kooperationen aus?
Beide – Reha und Selbsthilfe verfolgen das gleiche Ziel: dem chronisch kranken Patienten einen eigenverantwortlichen und selbstbestimmten Umgang mit seiner Erkrankung zu ermöglichen. Daher ist es nur konsequent, dass 2001 die Rehabilitationsträger mit der Einführung des Sozialgesetzbuchs IX zur Förderung der Selbsthilfe verpflichtet wurden. Längst etabliert ist eine Kooperation mit der Selbsthilfe bei den Suchterkrankungen.
Selbsthilfe unterstützt Einstieg in den Alltag
Experten heben die besondere Bedeutung der Selbsthilfe für die Nachsorge, nach der Reha-Leistung, hervor. Die Selbsthilfe kann den Patienten bei seinem Wiedereinstieg in den Alltag unterstützen, wenn es darum geht, den Reha-Erfolg unter „normalen Lebensbedingungen“ zu stabilisieren und zu sichern. Aber auch vor der medizinischen Reha kann die Selbsthilfe bei der Information der Betroffenen eine entscheidende Rolle spielen: Über Erfahrungsberichte von anderen werden möglicherweise Gruppenmitglieder angeregt, selbst einen Reha-Antrag zu stellen. Die seltene Inanspruchnahme der medizinischen Reha bei manchen Krankheitsbildern lässt sich so verringern.
Beratung durch Betroffene besonders überzeugend
Grundsätzlich bestehen während der Reha günstige Voraussetzungen, um den Patienten für das Thema Selbsthilfe zu sensibilisieren: Nachdem die akute Behandlungsphase abgeschlossen ist, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Patient während der Nachsorge aktiv mit der Krankheitsbewältigung auseinander setzt. Gerade während eines langen Reha-Aufenthaltes gibt es keine Ablenkung in Form des üblichen Alltagsgeschehens. Hilfreich können ferner die Kontakte zu anderen Patienten sein. Besondere überzeugend sind Beratungen in der Reha-Klinik, die von Mitgliedern einer Selbsthilfegruppe angeboten werden. Als selbst Betroffene haben sie zu den anderen Patienten einen besonderen Zugang. Die Vorteile für Reha-Einrichtungen von solchen oder anderen Kooperationen liegen auf der Hand: Ihre Arbeit wird effektiver und qualitativ hochwertiger, die Unterstützung der Selbsthilfe leistet einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Sicherung der Reha-Erfolge. Denkbar ist außerdem, dass das Image der Einrichtung positiv aufgewertet und das Personal entlastet wird.
Befragung: Indirekte Kooperationsformen überwiegen
Soweit die Theorie, doch wie ist es tatsächlich um die Zusammenarbeit bestellt? Ein vom Bundesgesundheitsministerium unterstütztes Forschungsprojekt der Universität Freiburg hat die Schnittstelle zwischen Reha und Selbsthilfe näher beleuchtet. Von den 1.552 Reha-Einrichtungen, welche die Wissenschaftler im Jahr 2002 für die schriftliche Befragung kontaktierten, antworteten 478. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:
Quellen:
Rolf Buschmann-Steinhage: Rehabilitation und Selbsthilfe. In: Public Health Forum 15, Heft 55 (2007).
Martina Klein: Selbsthilfe und Rehabilitation. Perspektiven einer Zusammenarbeit. In: Selbsthilfegruppenjahrbuch 2004.
Silke Werner, Dr. Stefan Nickel, Prof. Alf Trojan: Selbsthilfebezogene Patientenorientierung in der stationären Versorgung. Vortrag im Rahmen des Hannoverschen Werkstattgesprächs Rehabilitation an der Medizinischen Hochschule Hannover (28. April 2009).