Patientenbrief

August 2009

STUDIE
DMPs verbessern Versorgung chronisch Kranker

Berlin - Der AOK-Bundesverband hat Ergebnisse zu Disease-Management-Programmen (DMP) präsentiert. Bessere Werte, niedrigere Sterblichkeit und häufigere Kontrollen sprechen demnach für den Erfolg der DMP, doch im Detail gibt es auch Kritik.

Mehr als 2,6 Millionen Versicherte sind allein in die Chronikerprogramme der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOKs) eingeschrieben. Der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Herbert Reichelt: „Es handelt sich um eine Versorgungsform, die mittlerweile flächendeckend umgesetzt worden ist.“ Die Gründe für Versicherte, an Chronikerprogrammen teilzunehmen, beschränken sich allerdings nicht auf eine Versorgungsverbesserung. Eine Patientenbefragung zeigt, dass die Befreiung von der Praxisgebühr maßgeblichen Anteil an der Entscheidung zur Teilnahme hat. Geringe Akzeptanz finden die Patientenschulungen. Die Motivation zur Teilnahme könne noch deutlich verbessert werden, schlussfolgert AOK-Versorgungsexperte Evert Jan van Lente.

Vergleichswerte zeigen Potenzial der Programme
Während es in vielen Details noch Verbesserungsbedarf gibt, sprechen einige Studienergebnisse dafür, dass DMP die medizinischen Werte der Teilnehmer deutlich verbessern können. Das gilt nach Analysen der Institute infas, Prognos und WIAD (Wissenschaftliches Institut der Ärzte Deutschlands) für Versicherte, die am Programm für Koronare Herzkrankheit teilnehmen. Der Anteil der Patienten, die infolge der Krankheit Brustschmerzen erleiden, sinkt beispielsweise um 20 Prozent. Auch das DMP für Diabetes kann Erfolge vermelden. So werden die Teilnehmer umfassender auf Folgeschäden untersucht. 83 Prozent hätten in den vergangenen zwölf Monaten eine Augenuntersuchung bekommen, während es nur 59 Prozent der Nicht-Teilnehmer waren. Eine Studie des Universitätsklinikums Heidelberg zeigt zudem, dass es unter Patienten mit Diabetes Typ 2 in einem DMP deutlich weniger Todesfälle gibt als unter denen, die nicht in einem solchen Programm versorgt werden.

Barmer bestätigt gute Ergebnisse für Diabetes-Programme
In ähnlicher Weise wie die AOK hat auch die Barmer Ersatzkasse ihr Disease-Management-Programm für Diabetes untersucht. Unter gut 220.000 Versicherten, die an Diabetes leiden, verglich die Kasse medizinische Kennzahlen. Dabei zeigt sich, dass es signifikant weniger Schlaganfälle und Amputationen bei DMP-Teilnehmern gibt als bei Versicherten, die nicht in einem solchen Programm eingeschrieben sind. Die Teilnehmer suchen zudem häufiger einen Augenarzt auf und werden öfter in diabetologischen Schwerpunktpraxen untersucht. „Diabetiker innerhalb des DMP weisen durchgängig bessere Ergebnisse und Prozessqualität auf“, schließt Dr. Stefan Graf, Abteilungsleiter Gesundheits- und Versorgungsmanagement der Barmer.

„Auf dem richtigen Weg“, aber noch „Luft nach oben“
Der AOK-Bundesverband sieht die Programme „auf dem richtigen Weg“. Es gäbe allerdings auch Hinweise darauf, dass sich die eingeschriebenen Versicherten noch nicht optimal für ihre Gesundheit einsetzten. Van Lente sieht bei der Verbesserung der Versorgung noch „Luft nach oben“. Dass noch immer knapp 20 Prozent der Patienten im Asthma-DMP rauchten, sei verbesserungswürdig. Nur rund drei Prozent aller Teilnehmer in diesem Programm hätten das Rauchen eingestellt. Hier müsste weiter nach Möglichkeiten gesucht werden, wie die Patienten zu einem gesundheitsbewussteren Verhalten motiviert werden können. Die AOK sieht noch Anreizpotenzial durch Belohnung einer aktiven Teilnahme oder durch bessere Präventionsberatung.

Auf der Website des AOK-Bundesverbandes befindet sich die Pressemitteilung zur Evaluation der DMP-Programme. Neben einem Statement des Vorstandsvorsitzenden Reichelt bietet die AOK auch einen Link zu vertiefenden Informationen über die einzelnen Studien.
www.aok-bv.de

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