Berlin - Für herausragende Leistungen in der patientenorientierten Gesundheitskommunikation hat die „Bleib gesund Stiftung“ zum achten Mal den Oskar-Kuhn-Preis verliehen. Den Ehrenpreis erhielt das „achse.info“.
Das Projekt „achse.info: Informationen zu seltenen Erkrankungen verbessern – die Vernetzung der Selbsthilfe fördern“ des ACHSE e.V. (Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen) treffe mit seiner Intention den Grundgedanken des Oskar-Kuhn-Preises in besonderer Weise. Idee und Durchführung dieses professionell strukturierten Selbsthilfeansatzes wurden von der Jury als vorbildlich und einzigartig für Deutschland eingeschätzt. Gefördert werde der interaktive Dialog von Menschen mit seltenen Erkrankungen, behandelnden Ärzten, Angehörigen und Interessierten. Geboten werde darüber hinaus sowohl informative als auch praktische Unterstützung für Betroffene.
Erfolg für Deutschlands erste Patientenuniversität
Mit dem ersten Preis hat die Stiftung die erste Patientenuniversität in Deutschland an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ausgezeichnet. Die Jury würdigt damit, dass die Patientenuniversität die Position von medizinischen Laien als Partner in der gesundheitlichen Versorgung verbessere und diese als wichtige Zielgruppe der Gesundheitskommunikation direkt anspreche.
Im Vergleich zu US-amerikanischen Mini-Med-Schools wird dieser deutschen Erstgründung ein weitaus höherer Entwicklungsgrad bescheinigt, da es tatsächlich gelungen sei, die eigentliche Zielgruppe auch zu erreichen. Die Juroren werteten es als bedeutendes Signal, dass eine Medizinische Hochschule sich ausdrücklich zur Notwendigkeit äußere, die Gesundheitskompetenz von Bürgern zu stärken und einen beachtlichen Beitrag dazu leiste. „Wir sind stolz auf die Auszeichnung“, betont Professorin Dr. Marie-Luise Dierks, Leiterin der 2006 gegründeten unabhängigen Bildungseinrichtung der MHH. Der Preis sei Ansporn für die weitere Arbeit.
„Unser besonderer Trumpf sind die Medizinstudenten“
Mit Seminarreihen, Vorträge und Internetangeboten stellt die Patientenuni das universitäre Wissen und aktuelle Forschungsergebnisse nicht nur Expertenkreisen, sondern der gesamten Bevölkerung zur Verfügung. Die Bildungseinrichtung klärt unter anderem über körperliche und seelische Abläufe im menschlichen Körper auf, unterstützt Patienten und ihre Angehörigen im Umgang mit einer Erkrankung, vermittelt Kenntnisse über Strukturen des Gesundheitswesens und informiert über Patientenrechte. „Unser besonderer Trumpf sind die mitwirkenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und besonders unsere Medizinstudierenden“, erläutert Dierks. „Dank ihres großen Engagements können wir die Ziele und Ideen der Patientenuniversität so erfolgreich umsetzen.“
Jury erhofft sich Signalwirkung
Das Projekt „Kommunikation am Lebensende – Curriculum für die Lehre in der Medizin und Evaluation“ des IEKG, Institut für Ethik und Kommunikation im Gesundheitswesen der Universität Witten/Herdecke gGmbH, erhielt eine lobende Anerkennung. Das Curriculum sei vorbildlich für die Ausbildung von Medizinstudierenden hinsichtlich der Gesundheitskommunikation. Mit dem Seminar „Kommunikation mit Sterbenden“ werde der Palliativmedizin frühzeitig und verbindlich hohe Bedeutung beigemessen. Ebenfalls eine lobende Anerkennung gab es für „Psychische Erkrankungen bei jungen Menschen – Ein Informationsprojekt an Schulen“ des Vereins „Hilfe für psychisch Kranke e.V. Bonn/Rhein-Sieg“. Das engagierte Zugehen auf Schulen, um psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen zu thematisieren, überzeugte die Jury. Sie erhofft sich eine Signalwirkung auch für andere Kreise, Gemeinden und Bundesländer.
Oskar-Kuhn-Preis
Als Auszeichnung für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Gesundheitskommunikation vergibt die „Bleib gesund Stiftung“ jährlich den Oskar-Kuhn-Preis. Damit will die Stiftung, die 2000 ins Leben gerufen wurde, an die Verlegerpersönlichkeit Oskar Kuhn und dessen Pionierarbeit auf dem Gebiet der Gesundheitskommunikation erinnern. Ziel des Preises ist es, effektive Gesundheitskommunikation zu fördern, die sowohl qualifizierte Informationen bietet als auch kommunikative Austauschmöglichkeiten schafft. Im Mittelpunkt des Interesses stehen innovative Projekte, die einen partnerschaftlichen Dialog zwischen den im Gesundheitswesen Beteiligten voranbringen – sei es im Austausch zwischen Arzt und Patient oder innerhalb von Patientengruppen, mit medizinischem Personal oder in der Kommunikation mit Angehörigen. Der Preis ist mit 12.800 Euro dotiert.
www.oskar-kuhn-preis.de
www.patienten-universitaet.de