Patientenbrief

PFLEGEHEIME
AOK testet individuelle Arzneimittelkombinationen

Berlin/München - Die AOK hat einen Modellversuch zur sicheren Arzneimittelversorgung in Pflegeheimen gestartet. Die Apotheken sollen dabei patientenindividuelle Arzneimittelkombinationen verpacken.

Hintergrund für das Modellprojekt gemeinsam mit bayerischen Apotheken ist der hohe Arbeitsaufwand, den Pflegekräfte bei der Zusammenstellung der Medikamente für ihre Patienten haben. Alle Arzneimittel werden in einzelnen Durchdrückpackungen, so genannten „Blistern“, geliefert und müssen per Hand in der richtigen Dosis und Kombination für den Patienten bereitgestellt werden. Die Arbeitszeit geht den Fachkräften für andere Tätigkeiten verloren, zudem können durch die separate Verabreichung Wechsel- und Nebenwirkungen der Medikamente auftreten.
Durchschnittlich sechs verschiedene Arzneimittel erhalten chronisch kranke Pflegeheimbewohner täglich, teilweise von mehreren Ärzten verordnet. In dem Modellvorhaben, an dem neben der Krankenkasse sieben Apotheken und über 3.000 Heimbewohner teilnehmen, stellen die Apotheker individuelle Kombinationen für jeden Patienten zusammen, bevor sie die Medikamente an das Heim liefern. Dabei wird der Nutzen für das Pflegepersonal und für die Arzneimittelsicherheit geprüft. Veronika Keil, Apothekerin bei der AOK Bayern, erläutert: „Es soll mit dem Projekt auch getestet werden, ob sich Krankenhausaufenthalte oder zusätzliche Arztbesuche reduzieren lassen.“

Individuelles Verblistern soll Sicherheit erhöhen
Das patientenindividuelle Zusammenstellen von Medikamenten ist seit dem 1. April 2007 durch das Wettbewerbsstärkungsgesetz für die Gesetzliche Krankenversicherung erlaubt. Für Pflegeheime bietet sich dadurch die Chance, die Medikamentenausgabe zu einer qualitätsgesicherten Standardaufgabe zu machen. Im gängigsten Verfahren, dem Multi-Dose-Verfahren, werden alle Arzneimittel, die ein Patient zu einem bestimmten Zeitpunkt einnehmen muss, in eine Verpackungseinheit eingeschweißt. Eine solche Verpackung wird wochenweise hergestellt, wodurch Platz und Zeit gespart wird. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt darin, dass alle Medikamente gleichzeitig und von einer Person oder Apotheke verblistert werden. So können Doppelverordnungen, schädliche Wechselwirkungen oder zu hohe Dosen erkannt und behoben werden. Der zusätzliche Aufwand für das Zusammenstellen der Medikamente fällt demnach weg, so dass die Pflegekräfte wieder mehr Zeit für ihre Kernaufgaben haben.

Weniger Gefahren für acht Millionen Patienten?
Experten gehen davon aus, dass durch die individuelle Zusammenstellung die Sicherheit erhöht werden kann, wenn der Patient mindestens drei Wirkstoffe als Dauermedikation einnimmt. Dies trifft auf circa acht Millionen Menschen in Deutschland zu. Ob die AOK Bayern die patientenindividuelle Verblisterung flächendeckend einführt, macht sie von den Ergebnissen des Modellprojektes abhängig. Dieses wird vom Münchener Institut für Gesundheitsökonomik (IfG) wissenschaftlich begleitet und unter pharmazeutischen und gesundheitsökonomischen Aspekten ausgewertet. Die Laufzeit des zum 1. Januar 2009 gestarteten Modellvorhabens beträgt ein Jahr.

Weitere Informationen zum Modellprojekt gibt es unter: www.aok.de

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