Patientenbrief

April 2009

NATIONALE STRATEGIE
Experten beschließen Eckpunkte für Impfprogramm

Berlin - Eine Impfpflicht wird es in Deutschland nicht geben. Experten und Politiker setzen auf ein nationales Programm. Ein Entwurf könnte bereits auf der Gesundheitsministerkonferenz im Juni erörtert werden.

Zum Abschluss der 1. Nationalen Impfkonferenz Anfang März wurden erste Ziele und Prioritäten für einen nationalen Impfplan formuliert. Er zielt auf eine gemeinsame Impfstrategie der Länder ab, um einen optimalen Impfschutz der Bevölkerung sicherzustellen.

Defizite in der Koordination
Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD) wird einen entsprechenden Vorschlag in die Gesundheitsministerkonferenz der Länder im Juni einbringen. Die Rahmenbedingungen für den Impfschutz in Deutschland seien im internationalen Vergleich gut, so Dreyer anlässlich der Veranstaltung. Der Staat komme seiner Veranwortung auf vielfältige Weise nach – angefangen bei der Überwachung der Entwicklung, Herstellung und Marktzulassung von Impfstoffen, über Informations- und Aufklärungspflicht der Bevölkerung und Erfassung eventueller Impfnebenwirkungen. Die Kosten der Schutzimpfungen würden zudem von den gesetzlichen Krankenkassen getragen. Es mangele jedoch noch an der Koordination der Verantwortlichen und der Aktionen.

Schleichende Impfmüdigkeit in Deutschland
„In der Aus- und Weiterbildung von Ärzten und anderen medizinischen Fachgruppen muss das Impfen eine größere Rolle spielen. Auch muss die Bevölkerung umfassend über das Impfen aufgeklärt werden“, konstatierte Prof. Dr. Fred Zepp, Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Mainz und Mitinitiator der Konferenz. Dazu gehöre, über die großen Vorteile des Impfens für den Einzelnen und die Gemeinschaft aufzuklären, ohne die Risiken zu verschweigen. Die schleichende Impfmüdigkeit in Deutschland, die sich an der niedrigen Impfquote vor allem unter der erwachsenen Bevölkerung zeige, mache ihm große Sorgen, so Zepp. Impflücken zeigten sich vor allem bei der fehlenden vollständigen Immunisierung gegen Keuchhusten und Hepatitis B und der zweiten Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln in der Altersgruppe von 0 bis 17 Jahren. Er riet bei Impfprogrammen dazu, den öffentlichen Gesundheitsdienst und die weiterführenden Schulen stärker einzubinden. Immer wiederkehrende Masern-Ausbrüche in Deutschland zeigten, laut Zepp, dass auch Infektionskrankheiten, gegen die ein sehr guter Impfschutz möglich ist, jeder Zeit zurückkehren könnten.

Datenlage verbesserungsbedürftig
In der Konsensuskonferenz wurde insbesondere der Wunsch nach einer besseren Datenlage geäußert. Vor allem seien mehr Studien nach der Zulassung von Impfstoffen und Erhebungen zur Versorgungsforschung wichtig, so die Experten. Die Impfraten repräsentativer Bevölkerungsteile müssten einheitlicher erfasst werden, um Defizite zu erkennen und gezielte Strategien entwickeln zu können.



Nationale Impfkonferenz
Zur Impfkonferenz waren erstmalig Experten aus Wissenschaft, Gesundheitspolitik, Forschung, Ärzteschaft, öffentlichem Gesundheitsdienst, von Kostenträgern und auch Vertreter “impfkritischer” Stimmen zusammen gekommen. Gesundheitsministerin Malu Dreyer hatte die Veranstaltung in der Gesundheitsministerkonferenz der Länder 2007 initiiert und nach Rheinland-Pfalz eingeladen. Sie stand unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Horst Köhler und soll zukünftig alle zwei Jahre stattfinden.

Weitere Informationen unter www.nationale-impfkonferenz.de

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