Patientenbrief

September 2008

TRANSPARENZ
Qualität von Wohnformen

Berlin - Mit der neuen Pflegeampel sollen Angehörige und Betroffene auf den ersten Blick erkennen können, wie gut ein Heim ist.

„Wer Grün, Gelb oder sogar Rot sieht, weiß Bescheid. Diese Klarheit sind wir den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen schuldig, denn die Entscheidung für oder gegen eine Pflegeeinrichtung ist oftmals eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben der Betroffenen“, so K.-Dieter Voß, Vorstand des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

Bessere Orientierung: Ampel wird mit Schulnoten kombiniert
Der Verband hat gemeinsam mit dem Medizinischen Dienst und den kassenartspezifischen bundesweiten Verbänden der Pflegekassen ein Transparenzkonzept für Pflegeheime entwickelt. Nach diesem Konzept zeigen die drei Ampelfarben, ob eine Einrichtung gute, ordentliche oder schlechte Qualität bietet. Zusätzlich gibt es Schulnoten, die eine stärkere Differenzierung erlauben. Für das grüne, gelbe oder rote Gesamtergebnis werden Ergebnisqualität Pflege/Soziale Betreuung (mit 80 Prozent), Organisation und Struktur (mit 10 Prozent) und Zufriedenheit der Bewohner (mit 10 Prozent) einbezogen. Für diese drei Bereiche gibt es wiederum zahlreiche Einzelkriterien, die ebenfalls dargestellt werden können. So können einerseits Betroffene bzw. deren Angehörige sich die Punkte genauer ansehen, die für sie aus individuellen Gründen besonders wichtig sind, andererseits kann aber auch die Pflegeeinrichtung nachvollziehen, wie es zu der Gesamtnote kam. „Damit werden Pflegebedürftige und deren Angehörige durch ein einfaches und klares sowie differenziertes Instrument bei der Auswahl eines geeigneten Pflegeheimes unterstützt“, betont der GKV-Spitzenverband.

KTQ-Zertifikat auch für alternative Wohnformen
Allerdings ist das Ampel-Konzept auf Pflegeheime beschränkt und hilft folglich bei der Auswahl anderer Lebensformen – wie beispielsweise Wohngemeinschaften für Demenzerkrankte – nicht weiter. Eine ergänzende Orientierung kann in Zukunft das KTQ-Zertifikat Betroffenen und Angehörigen bieten. KTQ steht für Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen, folgende Gesellschafter tragen die Organisation: die Krankenkassenverbände, die Bundesärztekammer, der Hartmannbund, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Deutsche Pflegerat. Bisher bewertete das Siegel vor allem Klinikqualität, nun soll auch der Pflegebereich erschlossen werden. Dabei werden nicht nur Heime begutachtet, sondern auch ambulante Pflegeeinrichtungen, Hospize und alternative Wohnformen.

Angehörige gründen Wohnhaus für Demenzkranke
An der KTQ-Pilotphase Pflege hat unter anderem der Verein Begleitetes Leben für Demenzbetroffene Menschen in der Kategorie alternative Wohnformen teilgenommen. Angehörige von Demenzerkrankten in einer Tagespflege haben den Steinfurter Verein 2004 gegründet. Der Verein initiierte das „Wohnhaus“, in dem mittlerweile zehn demenzkranke Mieter ihr Zuhause gefunden haben. Jeder Bewohner hat sein eigenes Zimmer und Bad. Der Gemeinschaftsraum mit integrierter Küche, der im Zentrum des Hauses liegt, ist Begegnungsraum. Die Möblierung findet mit der Einrichtung der Mieter statt. Jeder hat einen Mietvertrag. Die Kosten der Tagesbetreuung und der Nachtbereitschaft werden wie die Nebenkosten für das Wohnen und die gemeinsamen Mahlzeiten geteilt. Die pflegerische Versorgung wird über die Pflegekasse im Rahmen der häuslichen Pflege abgerechnet. Mieter und Angehörige treffen sich verbindlich einmal monatlich, um den Sachstand, die Probleme, die Ideen und die Planungen zu besprechen und ggf. notwendige Entscheidungen zu treffen. Der Verein versteht sich als Mitinitiator für die Entwicklung neuer Wohn- und Lebensformen für Menschen mit Demenz.



Bayerischer Wohnprojekt-Atlas 2008
Der Wohnprojekt Atlas 2008 soll nach Worten Bayerns Sozialministerin Christa Stewens dazu beitragen, Kontakte mit Gleichgesinnten zu knüpfen und zu neuen gemeinschaftlichen Wohnformen anregen. Der Verein Urbanes Wohnen e.V. München hat im Auftrag des Sozialministeriums insgesamt 109 Wohnprojekte erhoben und davon 12 exemplarische Projekte ausführlich vorgestellt. Die Palette gemeinschaftsorientierter Wohnformen ist äußerst vielfältig, die Modelle reichen von selbstorganisierten Bau- und Mietergemeinschaften und Mehr-Generationen-Häusern über integratives Wohnen bis hin zu gemeinsamen Wohnformen im Alter. Die Ministerin hebt bei der Vorstellung des Buches insbesondere das Beispiel Kleinostheim hervor, wo Demenzbetroffene Menschen in einer Wohngemeinschaft leben und von einem selbst gewählten ambulanten Pflegedienst versorgt werden. „Damit wird ein selbstbestimmtes Leben und ein ’normaler’ Alltag ermöglicht“, sagt Stewens.

Unter www.wohnprojektatlas-bayern.de besteht die Möglichkeit, Projekte, Erfahrungen und Ideen darzustellen. Über eine Suchfunktion kann gezielt nach Projekten recherchiert werden. Auch für Angehörige ein nützliche Website zum recherchieren.

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