Patientenbrief

September 2008

STUDIE
Frühförderung behinderter Kinder hakt

Berlin - Die schleppende Förderung behinderter Kinder kritisieren die Patienten- und die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Helga Kühn-Mengel und Karin Evers-Meyer.

„Sieben Jahre nach Einführung der Komplexleistung Frühförderung für behinderte Kinder sind Gesetz und Verordnung immer noch nicht bundesweit umgesetzt“, so die beiden. Es bedürfe dringend weiterer Anstrengungen aller Beteiligten, appellieren die SPD-Politikerinnen. Anlass ist die Veröffentlichung der Studie „Datenerhebung zu den Leistungs- und Vergütungsstrukturen in der Frühförderung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder“.
Die Patientenbeauftragte Helga Kühn-Mengel weist darauf hin, dass der Gesetzgeber allen beteiligten Rehabilitationsträgern den Auftrag erteilt habe, Frühförderung als gemeinsame trägerübergreifende Komplexleistung anzubieten. Dieser Auftrag sei jedoch bisher mangels einer Einigung der Leistungsträger über die Verteilung der Kosten nicht bundesweit erfüllt. „Vielmehr müssen wir befürchten, dass bereits eine ganze Generation von Kindern nicht die Leistungen erhalten hat, die für eine optimale Entwicklung notwendig sind“, sagt Kühn-Mengel. Ohne schnelle Leistungserbringung drohten diesen Kindern und Jugendlichen nur schwer aufzuholende Benachteiligungen in Schule, Beruf und gesellschaftlicher Teilhabe.

Sichtbare Erfolge nur in einigen Ländern
Kostenträger der Frühförderleistungen, Kommunen und gesetzliche Krankenkassen hatten am 1. Juni 2006 in einer Absichtserklärung festgestellt, dass sie gemeinsam mit den örtlichen Leistungserbringern (Frühförderstellen, sozialpädiatrische Zentren) die notwendigen Vereinbarungen treffen, um die Durchführung der Komplexleistung sicherzustellen. Helga Kühn-Mengel: „In einigen Ländern gibt es bereits sichtbare Erfolge. Dies genügt jedoch nicht.“ Sieben Jahre nach Einführung der gesetzlichen Regelung müsse endlich eine bundesweite Umsetzung erfolgen.
Die Beauftragten kündigten an, ihre Fachgesprächsreihe zum Thema fortzuführen. Das jüngste Fachgespräch mit Kostenträgern und Leistungserbringern vor Ort hat am 1. September in Gütersloh stattgefunden.

Die Studie kann im Internet nachgelesen werden: www.bmas.de (PDF)

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