Berlin - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt den Mitgliedsstaaten, bis zum Jahr 2010 eine Influenza-Impfrate von 75 Prozent in der älteren Bevölkerung zu erreichen.
Über den Stand in Deutschland informierte die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI). Die deutschen Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) spiegeln die Empfehlungen der 56. Weltgesundheitsversammlung aus dem Jahre 2003 wieder, erklärt Dr. Udo Buchholz vom RKI, vor der Presse. Danach ist die Impfung für Personen über 60 Jahre sowie Personen jeden Alters mit chronischen Grunderkrankungen empfohlen. In Deutschland liegen die bisherigen Impfraten mit Schwankungen bei etwa 50 Prozent in der über 60 Jahre alten Bevölkerung.
Tödliche Folgen vermindern
Um die Zielstellung zu verstehen, müsse man betrachten, welche Bevölkerungsgruppe besonders von den schwersten – d.h. tödlichen – Folgen einer Grippe-Erkrankung betroffen ist, erläutert Buchholz. Nach amerikanischen Untersuchungen ereigneten sich 90 Prozent grippebedingter Sterbefälle in der älteren Bevölkerung. Wenngleich die Anzahl der jährlichen Grippetoten sehr unterschiedlich sei, werde die Zahl der zwischen 2001/02 und 2006/07 direkt oder indirekt an Grippe verstorbenen über 60 Jahre alten Personen auf 31.000 geschätzt. Unter der Annahme einer 30-prozentigen Schutzwirkung vor tödlicher Grippe in der älteren Bevölkerung konnten durch die bisherigen Impfungen in den angegebenen sechs Jahren ca. 5.300 Grippetote verhindert werden. Wäre dagegen das WHO-Ziel von 75 Prozent schon seit der Saison 2001/02 verwirklicht gewesen, hätten ca. 2.800, d. h. 50 Prozent mehr Grippetote verhindert werden können. Sollte es gelingen, in den kommenden Jahren die Wirksamkeit des Grippeimpfstoffes in dieser Altersgruppe weiter zu verbessern, würde sich dies zusätzlich positiv auf den Präventionseffekt auswirken.
Höhere Impfraten durch bessere Aufklärung
Die Arbeitsgemeinschaft Influenza informiert Bevölkerung und Fachwelt seit 1993 zur Influenzasituation, seit zwei Jahren sprechen die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) und das RKI in einer gemeinsamen Kampagne über alle niedergelassenen, impfenden Ärzte die Risikogruppen in der Bevölkerung an und versorgen die Praxen beispielsweise mit Flyern und Plakaten zur Influenza-Impfung. In diesem Jahr wurden die Aktivitäten auf das medizinische Personal im Krankenhaus ausgedehnt.
Impfstoff ist verfügbar
Die wichtigsten Ergebnisse der Influenzasaison 2007/08 stellt Dr. Silke Buda vom Robert Koch-Institut vor. „Die vergangene war eine eher schwache Grippesaison, wobei die Krankheitslast im Süden und in der Mitte höher war als im Norden und Osten Deutschlands“, so die Expertin. Wegen Influenza gab es laut Buda 1,2 Millionen geschätzte Arztbesuche, 550.000 Arbeitsunfähigkeiten und 4.500 Krankenhauseinweisungen.
Der Impfstoff für die neue Saison ist bereits verfügbar. Wenn man sich jetzt impfen lasse, sei man die gesamte Saison über geschützt, so Prof. Dr. Tom Schaberg, Diakoniekrankenhaus Rotenburg. „Es kann aber auch durchaus sinnvoll sein, sich noch im Januar impfen zu lassen, wenn es bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Grippewelle gab.“ Sieben bis zehn Tage müssten nach der Impfung vergehen, bis ein Schutz einsetze.
Die Grippeschutzimpfung ist für Patienten der gesetzlichen Krankenversicherung kostenlos, es wird auch keine Praxisgebühr fällig.