Patientenbrief

November 2008

KRANKENHAUS
Wie lassen sich Infektionen verhindern?

Berlin - 500.000 Krankenhausinfektionen ereignen sich in Deutschland jährlich. Ein Drittel ist durch konsequente Hygienestandards zu vermeiden.

Das betont Prof. Markus Dettenkofer von der Universität Freiburg. Auf einer Veranstaltung der Aktion Meditech weist der Experte vom Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene darauf hin, dass Erreger sowohl durch direkten und indirekten Kontakt übertragen werden können: über „große“ Tröpfchen (z.B. Scharlach, Diphtherie, Mumps, Röteln, Virusgrippe), über die Luft (z.B. Tuberkulose) sowie über gemeinsame Vehikel wie Nahrung und Wasser. Um Krankenhausinfektionen vorzubeugen, empfiehlt er als Schwerpunkte unter anderem Blasenkatheter-induzierte Harnweginfektionen, Venenkatheter-induzierte Sepsis, Beatmungs-assoziierte Pneumonie sowie postoperative Wundinfektionen.

Risikofaktor: zu wenig Personal
Für Schlagzeilen sorgen in letzter Zeit vor allem multiresistente Keime, u.a. so genannte MRSA. Diese Bakterien sind ausgesprochen widerstandsfähig und resistent gegen die meisten Antibiotika. Dringen die Erreger aufgrund mangelnder Hygiene in einen immungeschwächten Körper ein, können sie lebensgefährliche Entzündungen auslösen. Für besonders gefährdet hält Dettenkofer u.a. alte und schwerkranke Patienten mit langer Verweildauer in Krankenhäusern. Gleiches gilt für Patienten mit offenen und chronischen Wunden. Ein weiterer Risikofaktor ist für den Experten eine hohe Belegung in Verbindung mit unzureichender Personalausstattung.
Grundsätzlich habe Deutschland – vor allem im Vergleich zum Vorbild Niederlande – noch Nachholbedarf bei der Infektionsprävention im Krankenhaus und der Kontrolle der Resistenzausbreitung. Dettenkofers Fazit fällt dennoch positiv aus: „Insgesamt sind wir aber auf dem richtigen Weg!“

Compliance-Probleme bei den Ärzten
In der anschließenden Diskussion weist Dr. Rudolf Köster, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, auf die Bedeutung der Händedesinfektion hin: „Wir müssen das als Dauerinstitution in Aus- und Weiterbildung der Ärzte wach halten.“ Wie notwendig eine solche „Dauerinstitution“ ist, verdeutlichen die Erfahrungen von Dr. Katharina Madlener, Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim. Sie berichtet, dass Schulungsmaßnahmen zum Thema Hygiene von den Ärzten nicht angenommen werden. Madlener: „Wir haben ein großes Compliance-Problem bei den Ärzten, es ist unheimlich hart, die Händehygiene in den klinischen Alltag zu bekommen.“ Bestätigt wird das von Prof. Sebastian Lemmen, Universitätsklinikum Aachen. „Das eigene Verhalten konsequent zu ändern, ist sehr schwierig.“ Lemmen weist darauf hin, dass sich Ärzte bis zu 80 Mal am Tag die Hände desinfizieren müssten.



Aktion Saubere Hände: 50.000 Infektionen jährlich vermeiden
Am 22. Oktober fand der bundesweite Aktionstag der Kampagne „Aktion Saubere Hände“ statt. Er richtet sich an Krankenhauspersonal, Patienten und Angehörige. Ziel ist es, der Händedesinfektion als Präventionsmaßnahme wieder eine höhere Wertschätzung im klinischen Alltag zu verleihen, so die Organisatoren. Bisher nehmen 400 der insgesamt rund 2.000 deutschen Kliniken an der Initiative teil, weitere 400 sollen noch dazu gewonnen werden. „Wenn es uns gelingt, in diesen 800 Krankenhäusern eine so hohe Bereitschaft zur Händedesinfektion zu erreichen, dass dort kaum noch Krankenhausinfektionen durch Übertragungsergebnisse entstehen, müsste es möglich sein, etwa 50.000 Infektionen pro Jahr zu vermeiden“, hofft Prof. Petra Gastmeier, Leiterin des Nationalen Referenzzentrums für die Surveillance nosokomialer Infektionen.

Weitere Informationen unter www.aktion-saubere-haende.de

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