Berlin - Wie verläuft der Übergang von der pädiatrischen in die Erwachsenenmedizin für chronisch kranke Jugendliche möglichst unkompliziert? Das untersuchen jetzt die DRK-Kliniken Berlin-Westend.
Werden Kinder mit chronischen Erkrankungen erwachsen, fallen sie oft aus der notwendigen medizinischen Betreuung heraus. Ziel des auf drei Jahre angelegten interdisziplinären Projektes ist es, diese Versorgungslücke zu schließen.
Kontakt zur Spezialbetreuung geht verloren
Rund 15 Prozent aller Kinder in Deutschland leiden an chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Epilepsie, chronischen Nierenerkrankungen, rheumatischen Erkrankungen und Herzfehlern. Die medizinische Versorgung dieser Kinder in spezialisierten pädiatrischen Zentren ist zum Teil ausgezeichnet. Werden sie volljährig und damit in die Eigenverantwortung entlassen, zeigt sich jedoch häufig, dass den 18- bis 21-jährigen der nahtlose Übergang in die Erwachsenenmedizin nicht gelingt. Sie verlieren den Kontakt zur notwendigen Spezialbetreuung und stellen sich in den Einrichtungen der Erwachsenenmedizin erst dann wieder vor, wenn – möglicherweise vermeidbare – Komplikationen aufgetreten sind. Für die jungen Patienten kann dies erhebliche gesundheitliche Schäden, für die Krankenkassen hohe Kosten, zur Folge haben.
Leistungs- und Vergütungsvereinbarungen fehlen
Das Problem: Die Betreuung der Patienten in dieser kritischen Phase, der so genannten Transition, ist bislang nicht sinnvoll geregelt, zumal es auch keine entsprechenden Leistungs- und Vergütungsvereinbarungen von Seiten der Kassen gibt. Prof. Walter Burger, Leiter des Diabeteszentrums für Kinder und Jugendliche, und Dr. Arpad von Moers, Chefarzt der Kinderklinik an den DRK-Kliniken Berlin-Westend, haben daher ein von der Robert-Bosch-Stiftung gefördertes Projekt ins Leben gerufen: Anhand zweier exemplarischer Erkrankungen wird ein flexibles, auf verschiedene chronische Erkrankungen übertragbares Interventions- und Rahmenkonzept für die Phase des Übergangs formuliert. „Es muss dafür gesorgt werden, dass die jungen Menschen durch vernetzte Angebote der Kinderheilkunde und der Erwachsenenmedizin durchgehend versorgt und psychosozial betreut werden“, sagt Prof. Burger.
Was passiert mit den Studienergebnissen?
Die Ergebnisse der Studie sollen ärztlichen Fachgesellschaften als Grundlage für neue Behandlungsleitlinien dienen, aber auch Krankenkassen beim Abschluss von Versorgungsverträgen unterstützen. „Wir sind sicher, dass daraus für die Krankenkassen eine enorme Ersparnis resultiert, denn die Folgekosten aufgrund schlecht eingestellter chronischer Erkrankungen sind sicher um ein Vielfaches höher als ein gut geleiteter, komplikationsarmer Behandlungsverlauf“, meinen die Projektleiter.
Weitere Informationen zur Studie unter www.drk-kliniken-berlin.de