Patientenbrief

März 2008

DARMKREBS
Vorbeugendes Angebot wird angenommen

Berlin - Optimistische Zukunftsprognose: Einer Studie zufolge werden Versicherte die präventive Darmspiegelung (Koloskopie) in den nächsten Jahren verstärkt in Anspruch nehmen.

Davon gehen die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) aus. Die Organisationen präsentieren Zahlen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI). Das ZI begleitet bereits seit der Einführung der Koloskopie im Jahre 2002 diese Regelleistung der gesetzlichen Krankenversicherung wissenschaftlich. Die jetzt vorgelegten Zahlen belegen, dass immer mehr Menschen das Angebot der präventiven Darmspiegelung nutzen und ihr entsprechendes Erkrankungsrisiko damit deutlich minimieren.
 
Koloskopie-Screening: mehr Frauen nehmen teil
2,3 Millionen Versicherte haben das Angebot zwischen 2003 und 2006 wahrgenommen, davon 550.000 im Jahr 2006. Inzwischen waren 11,2 Prozent der berechtigten Männer und 12,7 Prozent der berechtigten Frauen beim Koloskopie-Screening, wie Fachleute die präventive Darmspiegelung nennen. Bei jedem dritten Untersuchten wurden die Mediziner fündig: 30,5 Prozent wiesen Polypen oder Adenome (Wucherungen an der Darmschleimhaut) auf. Besonderen Nutzen ziehen Menschen mit fortgeschrittenem Adenom aus einer Koloskopie, da aus diesem häufig Darmkrebs entsteht. In diese Gruppe fielen 6,7 Prozent der Teilnehmer. Das sind die Ergebnisse einer Begleitstudie für das Jahr 2006. Diese hat das ZI aufgrund von 529.916 Befunddokumentationen erstellt.
 
Hohe Qualitätsstandards
Polypen und Adenome werden meist im Rahmen der präventiven Darmspiegelung entfernt. Personen mit fortgeschrittenen Adenomen bedürfen in der Regel einer weiteren Kontrolluntersuchung nach drei bis fünf Jahren, Personen mit unauffälligen Polypen werden zehn Jahre später erneut untersucht. Anspruch auf eine kostenfreie Darmspiegelung haben gesetzlich Versicherte ab dem Alter von 55 Jahren. Die Darmspiegelung birgt für Patienten geringe Gefahren. Lediglich bei 2,6 von 1.000 Fällen kommt es zu Zwischenfällen, zumeist zu ärztlich gut beherrschbaren Blutungen. Zudem unterliegen Koloskopien hohen Qualitätsstandards. Nur speziell geschulte Fachärzte, die nachweislich mindestens 200 Darmspiegelungen innerhalb von zwölf Monaten machen, dürfen sie vornehmen. Unabhängige Institute prüfen zweimal jährlich die Einhaltung der vorgegebenen Hygienestandards.


Vorsorgemuffel oder Präventionsvorreiter?
Wie halten es die Deutschen mit der Prävention? Zu diesem Thema gibt es widersprüchliche Angaben. Das Europ Assistance Gesundheitsbarometer feiert die Deutschen als Europameister in Sachen Vorsorge. Der jüngst veröffentlichten Umfrage zufolge gehören die Bundesbürger mit 77 Prozent zu den Vorreitern bei der Nutzung präventivmedizinischer Angebote (2006: 71 Prozent). An der Telefonbefragung durch das Institut CSA (Cercle Santé Société) von Oktober bis November 2007 beteiligte sich ein repräsentativer Querschnitt von 2.007 Befragten aus fünf europäischen Ländern, darunter 400 aus Deutschland. Anders klingen die Zahlen aus Niedersachsen. Dort wollen Kassenärztliche Vereinigung und Ärztekammer mit Flugblättern in Arztpraxen für den Vorsorgegedanken werben. Hintergrund der Aktion: Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung nutzt die Präventionsangebote der Gesetzlichen Krankenversicherung. Am Gesundheits-Check-up – der Früherkennungsuntersuchung für alle Versicherten ab 35 Jahren – nahm beispielsweise im Jahr 2006 nur jeder fünfte anspruchsberechtigte Bürger in Niedersachsen teil. Weniger als ein Fünftel der anspruchsberechtigten Männer geht dort zur Krebsvorsorgeuntersuchung.

Mehr Informationen zum von der Europ Assistance Gruppe in Auftrag gegebenen Gesundheitsbarometer im Internet unter www.europ.de

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