Patientenbrief

Juni 2008

BRUSTKREBS
Die besondere Brustkrebs-Sprechstunde

München - Seit sechs Jahren bietet brustkrebs-muenchen eine besondere Art der Sprechstunde an: für Patientinnen von Patientinnen. Ein Erfahrungsbericht von Renate Haidinger.

Im Frühjahr 2002, der Verein brustkrebs-muenchen e.V. war gerade ein paar Monate alt, traf ich mich das erste Mal mit Frau Prof. Harbeck von der Münchener Frauenklinik rechts der Isar. Unabhängig voneinander hatten wir beide die Idee entwickelt, Brustkrebspatientinnen eine spezielle Sprechstunde anzubieten. Der Grundgedanke dabei: Patientinnen beraten Patientinnen.
Unsere Überlegung war, dass Frauen nach der Diagnose Brustkrebs sehr stark belastet sind und genau in dieser Zeit wichtige Entscheidungen für ihr weiteres Leben treffen müssen. Mit der Sprechstunde wollte ich sie in dieser Phase so gut wie möglich unterstützen, ihnen viele Informationen an die Hand geben und nicht zuletzt Mut machen. Prof. Harbeck und ich vereinbarten, dass ich im Juni 2002 mit dem Angebot beginnen würde. Als Vorbereitung entwickelten wir einen anonymisierten Fragebogen für die Patientinnen. Damit wollten wir mehr über die Bedürfnisse der Betroffenen erfahren, aber auch einen Rücklauf zur Beratung bekommen, um diese eventuell verbessern zu können.

Zeit für ausführliche Beratung
Von Anfang an gab es eine Telefonnummer in der Klinik, die sowohl hausintern als auch von außen angerufen werden konnte, um einen Termin zu vereinbaren. Jede Woche bin ich an zwei Tagen in der Klinik. Ich kümmere mich vorrangig um die Frauen, die sich bei mir angemeldet haben – vor allem, um sie ausführlich beraten zu können. Wenn es die Zeit zulässt, stelle ich mich aber auch den übrigen Patientinnen vor, die mit der Diagnose Brustkrebs in der Klinik sind. Für Frauen außerhalb des Hauses besteht ebenfalls jederzeit die Möglichkeit, sich für diese spezielle Sprechstunde anzumelden. Das Modell hat übrigens schon nach wenigen Monaten Nachahmer gefunden: Seit Oktober 2002 setzt auch die Frauenklinik Großhadern auf ein solches Angebot.

Mut machen – Ängste abbauen
Die Erfahrung hat gezeigt, dass es für Frauen sehr hilfreich ist, sich mit einer ebenfalls Betroffenen auszutauschen, die die Akutphase der Erkrankung bereits hinter sich hat. Es macht Mut jemanden zu sehen, dem es nach Operation und Chemotherapie wieder gut geht. Die Ängste der Frauen können so abgebaut werden und die Sprechstunde unterstützt zusätzlich Entscheidungsfindungen. Durch den bewussten Entschluss zu einer Therapie können die Frauen besser mit den auftretenden Nebenwirkungen umgehen und erhalten auch zahlreiche Tipps, was sie selbst noch für sich tun können, ohne dabei die eigentliche Therapie zu stören. Unsere Sprechstunde ist eine gute Ergänzung zu den bestehenden Strukturen einer Klinik sowie zu Ärzten, Pflegepersonal, Psycho-Onkologen und alle anderen Beteiligten.

Eine Idee zieht Kreise
Mittlerweile finden solche Sprechstunden mit Unterstützung des ebenfalls von Frau Haidinger initierten Vereins Brustkrebs Deutschland e.V. ebenfalls in der Klinik Berlin-Buch und im Krankenhaus Hameln statt.


Die Autorin:
Renate Haidinger ist Gründerin und 1. Vorsitzende von brustkrebs-muenchen e.V.

Kontakt
Renate Haidinger
brustkrebs-muenchen e.V.
Charles-de-Gaulle-Str. 6
81737 München
Tel.: 089-601 909 23
Renate.haidinger@web.de

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