Patientenbrief

Juli 2008

STUDIE
Zahl Pflegebedürftiger steigt erheblich

Berlin/Freiburg - Bis zum Jahr 2060 könnte sich die Zahl der Pflegebedürftigen auf 4,1 Millionen Menschen mehr als verdoppeln. Dies geht aus einem Bericht des Freiburger Universitäts-Forschungszentrums Generationenverträge hervor.

Aktuell sind 1,95 Millionen Bundesbürger pflegebedürftig. Grundannahme der Prognose ist, dass die Wahrscheinlichkeit, pflegebedürftig zu werden, mit zunehmendem Alter drastisch steigt. Der Autor der Studie, Tobias Hackmann, rechnet auf Grundlage von Bevölkerungsprognosen des Statistischen Bundesamtes. Danach steigt die Lebenserwartung für 60-jährige Männer bis 2050 auf 25,3 Jahre (heute: 20,1), für gleichaltrige Frauen auf 29,1 Jahre (heute 24,1). Der Ökonom entwickelt verschiedene Szenarien:

  • Szenario 1 – Kompressionsthese: Die Menschen leben länger – und länger gesund. Das Risiko, zum Pflegefall zu werden, wird erst kurz vor dem Tod deutlich höher. Nach dieser Berechnung steigt die Zahl der Pflegefälle bis 2060 auf "lediglich" 2,64 Millionen.
  • Szenario 2 – Status-quo-These: Die Pflegewahrscheinlichkeit bleibt konstant, obwohl die Menschen länger leben. Danach gibt es reichlich vier Millionen Pflegefälle im Jahr 2060.
  • Szenario 3 – Medikalisierungsthese: Dank des medizinischen-technischen Fortschritts leben ältere Patienten trotz ihrer Krankheiten länger. Die Nachfrage nach Pflegeleistungen nimmt zu. Die Prognose: 5,68 Millionen Pflegefälle bis 2060.

Der Forscher hält die zweite These für am wahrscheinlichsten.



Das Diskussionspapier "Älter gleich kränker? Auswirkungen des Zugewinns an Lebenserwartung auf die Pflegewahrscheinlichkeit" ist zu finden unter www.vwl.uni-freiburg.de/fakultaet/fiwiI/publikationen/202.pdf

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