Patientenbrief

Juli 2008

PROJEKT
„Demenz mitten im Leben“

München - Immer häufiger wenden sich jüngere Menschen mit einer Demenzdiagnose an die Alzheimer Gesellschaft München (AGM). Für sie hat die AGM das Angebot „Demenz mitten im Leben“ entwickelt. Ein Erfahrungsbericht.

Die Möglichkeiten zur Früherkennung von Demenzerkrankungen haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert: Das führt dazu, dass die betroffenen Personen immer zeitiger im Lebenslauf sowie im Prozess der Erkrankung diagnostiziert werden können. Jüngere Erkrankte im Alter von etwa 35 bis 65 Jahren und deren Angehörige unterscheiden sich in ihrer Lebenssituation deutlich von älteren betroffenen Familien. Beispielsweise können minderjährige Kinder im Haushalt leben, der Ausfall einer erwerbstätigen Person durch die Erkrankung führt zu finanziellen Problemen, der gesunde Partner muss sukzessive die finanzielle, erzieherische und hauswirtschaftliche Verantwortung für die gesamte Familie übernehmen.

Besonders wichtig für die Betroffenen: gegenseitiger Austausch
Da es bisher für diese Zielgruppe keine adäquaten Angebote im psychosozialen, ambulanten und stationären Bereich gibt, haben wir im Sommer 2007 das Projekt "Demenz mitten im Leben" begonnen, das von der Jacob und Marie Rothenfußer-Gedächtnisstiftung gefördert wird. Im Rahmen des psychosozialen Angebotes treffen sich regelmäßig Erkrankte und Angehörige in parallelen Gruppen. Sie können sich dort über Symptome, Folgen und Bewältigungsmöglichkeiten einer Demenzerkrankung austauschen sowie über rechtliche Regelungen – wie z.B. Vollmachten und Patientenverfügung – informieren. Gemeinsame Freizeitaktivitäten wie Boules spielen im Münchner Hofgarten oder ein Sommerfest ergänzen das Angebot. Insbesondere für die Erkrankten ist der Austausch mit anderen Gleichbetroffenen von hoher Bedeutung, wie Zitate von Teilnehmern illustrieren: „Es ist wichtig, dass wir hier sein dürfen, um uns austauschen zu können. Sonst würde man sich total zurückziehen.“ Und: "Man kann lernen, damit zurecht zu kommen."

Die Öffentlichkeit soll sensibilisiert werden
Ein weiteres Projektziel ist die Sensibilisierung der (Fach-)Öffentlichkeit für die Belange jüngerer Erkrankter. Der im April 2008 von uns in München organisierte Fachtag stieß auf sehr großes Interesse. Die etwa 190 Teilnehmer setzten sich aus jungen Betroffenen, Angehörigen und Fachkräften zusammen. Die Themen der Referate und Workshops waren unter anderem: Krankheitsbewältigung im frühen Stadium einer Demenz, allein lebende Demenzerkrankte, Fahrtauglichkeit, Integrationsmöglichkeiten am Arbeitsplatz, Situation jüngerer Partner und Kinder sowie Anforderungen an die ambulante und stationäre Versorgung.
Für die Fortführung des Projekts haben wir uns noch viel vorgenommen: Das Beratungs- und Gruppenangebot soll ausgebaut, der fachliche Austausch mit relevanten Einrichtungen beziehungsweise Fachstellen intensiviert werden. Weiterhin arbeiten wir an einem Konzept für die Durchführung eines fundierten, psychosozialen Seminarprogramms für Erkrankte im frühen Stadium einer Demenz.



Die Autorin:
Doris Wohlrab, diplomierte Psychogerontologin und Soziologin, betreut bei der Alzheimer Gesellschaft München das Projekt "Demenz mitten im Leben".


Weitere Informationen unter:
Alzheimer Gesellschaft München e.V.
Josephsburgstr. 92, 81673 München
Telefon: 089 – 475185
doris.wohlrab@agm-online.de
www.agm-online.de

TOP