Berlin/Bonn - Die Deutsche Krebshilfe will die Selbsthilfeforschung unterstützen: Noch in diesem Jahr soll daher eine Stiftungsprofessur eingerichtet werden.
Das gab die Organisation kürzlich auf dem Tag der Krebsselbsthilfe bekannt. „Um die Akzeptanz für die Selbsthilfe in der Ärzteschaft zu erhöhen, muss die Qualität der Selbsthilfe-Unterstützungsangebote weiter verbessert und gesichert werden. Um die wissenschaftliche Basis dafür zu schaffen und Schulungsmaßnahmen zu konzipieren, beabsichtigen wir eine Stiftungsprofessur für Krebs-Selbsthilfeforschung im Hochschulbereich einzurichten“, so Hauptgeschäftführer Gerd Nettekoven. Das dafür notwendige Verfahren werde eingeleitet. Die Krebshilfe hofft, im Laufe des Jahres eine universitäre Anbindung für diese Professur zu finden. Darüber hinaus will die Organisation ein Schulungszentrum für die Krebsselbsthilfe konzipieren und fördern. Beide Projekte gehen auf eine Initiative des Krebshilfe-Patientenbeirates zurück und sollen in diesem Jahr umgesetzt werden.
„Selbsthilfevertreter sind Partner aller Akteure“
Rund 200 Teilnehmer diskutieren auf dem Tag der Krebsselbsthilfe über Möglichkeiten und Voraussetzungen für eine gute Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Selbsthilfe. „Selbsthilfevertreter sind heute Partner aller Akteure im Gesundheitswesen und unterstützen die Krankheitsbewältigung maßgeblich“, unterstreicht Prof. Dr. Dagmar Schipanski auf der Tagung. In einer guten Kooperation von Ärzten und Selbsthilfegruppen liegen nach Einschätzung der Krebshilfe-Präsidentin Potentiale für eine weitere Verbesserung der Qualität – insbesondere der psychosozialen Versorgung von Patienten. Doch nach wie vor würden viele Ärzte nicht mit der Selbsthilfe zusammenarbeiten. Vorurteile und Vorbehalte, Unkenntnis, Zeitmangel und Budgetierung seien oft Gründe dafür.
Zusammenarbeit mit Ärzten: Es hapert an der Umsetzung
Diese Vorbehalte stehen im krassen Gegensatz zu dem, was Professor Dr. Wolfgang Slesina von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in seinen Forschungsarbeiten zur Zusammenarbeit von Medizinern und Patientengruppen herausgefunden hat: „Ärzte, die mit Selbsthilfegruppen kooperieren, haben einen schärferen Blick für die Probleme der Betroffenen und schätzen Kompetenz und Therapietreue ihrer Patienten“, so Slesina. Er hat beobachtet, dass immer mehr Ärzte mittlerweile den Nutzen einer Zusammenarbeit mit Patientenorganisationen erkannt haben. Es hapere aber immer noch an der Umsetzung. Um die Zusammenarbeit zu erleichtern, appelliert er an die Selbsthilfevertreter, insbesondere ihre Kommunikationsfähigkeit zu trainieren: „Es kommt im Umgang mit den Ärzten vor allem darauf an, wie etwas gesagt und vermittelt wird.“ Darüber hinaus müsse bereits bei den Medizinstudenten ein Bewusstsein für den Nutzen der Selbsthilfe – sowohl für die Ärzte als auch für die Patienten – geschaffen werden, heißt es auf der Veranstaltung. „Während des gesamten Medizinstudiums sollten die Kommunikationsfähigkeiten nachhaltig gefördert und eng an die klinischen Fächer angebunden werden“, so Prof. Dr. Dr. Martin Härter von der Universitätsklinik Freiburg. Dabei müsse die Selbsthilfe von Anfang an mit eingebunden werden.
Mehr Informationen auf den Internetseiten der Deutschen Krebshilfe unter www.krebshilfe.de