Bilanz 2007: Rabattverträge bringen „hohes Maß an Verunsicherung“
Die Reform heißt zwar GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz – jedoch wird es für die Patienten weniger Wettbewerb und Wahlfreiheit geben. Mit dieser Reform ist der Arzneimittelversorgung ein weiteres Instrument hinzugefügt worden: die Rabattverträge, die Krankenkassen oder ihre Verbände mit pharmazeutischen Unternehmern schließen können. Diese Add-On-Politik ist fatal. Sie führt zu einem Höchstmaß an Intransparenz, sie berücksichtigt die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen, schon vorhandenen Instrumenten nicht und sie findet keine Einbettung in einen sauberen wettbewerbsrechtlichen Rahmen. Ärzte und Apotheker sind kaum in der Lage, die Vielzahl der mittlerweile vorhandenen Rabattverträge zu durchschauen. Bei den Ärzten dürfte das binnen kurz oder lang dazu führen, dass sie nur noch die Wirkstoffe verschreiben, nicht aber mehr das einzelne Arzneimittel. Lieferschwierigkeiten für bestimmte Arzneimittel verschärfen die Situation in den Apotheken. Chronisch kranke Patienten sind zum Teil damit konfrontiert, dass sie bei jeder Verordnung ein Arzneimittel einer anderen Firma erhalten – mit einer anderen Aufmachung und eventuell sogar einem anderen Einnahmerhythmus. Das gefährdet die Compliance gerade bei älteren Patienten. Für Ärzte und Patienten hat das Instrument der Rabattverträge ein hohes Maß an Verunsicherung gebracht – es wirft mehr Fragen auf, als es Antworten gibt.
Prognose 2008: „Es wird teurer, aber nicht besser“
Nach wie vor gibt es kein Kapital gedecktes Element in der GKV, das die finanziellen Folgen der demografischen Entwicklung abmildern könnte. Patienten und Versicherte werden das in den kommenden Jahren spüren, wenn immer mehr Ältere Leistungen nachfragen, aber immer weniger jüngere Beiträge zahlen. Die Folge werden entweder Leistungskürzungen oder deutliche Beitragssteigerungen sein. Es wird teurer, aber nicht besser.
Daniel Bahr, gesundheitspolitischer Sprecher der FDP