Patientenbrief

Februar 2008

KÜNSTLICHE GELENKE
Fachgesellschaft verlangt bundesweites Register

Berlin - Mehr Transparenz bei künstlichen Gelenken: Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) fordert die Einrichtung eines bundesweiten Endoprothesenregisters.

Das Register soll als Frühwarnsystem dabei helfen, „Innovationsrisiken und Ergebnisdefizite“ zu erkennen. „Derzeit endet die Qualitätskontrolle an der Kliniktür. Das ist zu kurz gesprungen“, kritisiert DGOOC-Präsident Prof. Dr. Joachim Hassenpflug auf einer Pressekonferenz in Berlin die gängige Praxis. Ein umfassendes Register ermögliche dagegen eine Langzeit-Qualitätskontrolle. Hassenpflug zufolge lassen sich durch die Erfassung aller eingebauten und gewechselten Endoprothesen insbesondere repräsentative Aussagen zur Dauerhaftigkeit der künstlichen Gelenke machen. Laut Untersuchungen funktionierten 90 Prozent der Gelenke zehn Jahre und länger, ohne dass schwerwiegende Komplikationen eintreten. Der Direktor der orthopädischen Klinik des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein zeigt sich davon überzeugt, dass das Register für Ärzte nur wenig zusätzlichen Dokumentationsaufwand mit sich bringe, einen „Datenfriedhof“ befürchtet er nicht. Für die mit dem Register verbundenen Kosten sollten nach Vorstellung Hassenpflugs die Hersteller sowie die Kostenträger aufkommen, die Fachgesellschaft könnte in das Projekt ihr Know-How einbringen.

Frühere Initiative gescheitert

Die Forderung der Fachgesellschaft ist nicht der erste Vorstoß für eine bundesweite Datenbank. In der Vergangenheit hatte das Deutsche Endoprothesenregister e.V. bereits Daten von einigen Kliniken zusammengetragen. Die Erhebung sei jedoch freiwillig gewesen, die Angaben daher nicht repräsentativ, so Hassenpflug. Er setzt sich daher für ein „Zwangssystem“ ein, das Daten aller Krankenhäuser erfasst. Nicht zuletzt aufgrund des Skandals um künstliche Gelenke, die in einer Berliner Klinik falsch eingesetzt wurden, sieht er inzwischen bessere Chancen für ein solches Register als in der Vergangenheit. „Früher hatte das Anliegen in den Gremien keine besonders hohe Priorität“, beklagt der Mediziner.

Nationale Register: in anderen Länder bereits verwirklicht
In anderen europäischen Ländern ist man längst weiter. Beispielhaft ist das bereits 1979 initiierte skandinavische Endoprothesenregister. Nach schwedischem Vorbild bauten Schottland, Ungarn und Rumänien ähnliche Datenbanken auf, es folgten Australien (1999) und Kanada (2001). Das europäische Endoprothesenregister wird seit 1999 unter der Schirmherrschaft der EFORT (European Federation of National Associations of Orthopaedics and Traumatology) geführt. Es ist als ein Zusammenschluss nationaler Register organisiert. Acht Länder – darunter u.a. Dänemark, Schweden, Rumänen sowie die Türkei – sind bereits Mitglieder. Frankreich, Österreich, England, Tschechien, Polen und Litauen werden wahrscheinlich folgen. „Erst eine solche Zusammenführung der nationalen Daten ermöglicht bei bestimmten Fragestellungen den Nachweis von Komplikationen“, sagt Prof. Hassenpflug.

www.efort.org
www.dgooc.de

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