Patientenbrief

Februar 2008

BEREITSCHAFTSDIENST
Eine Telefon-Rufnummer für ganz Europa

Berlin/Potsdam - Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Brandenburg macht sich dafür stark, europaweit eine einheitliche Bereitschaftsdienst-Nummer einzuführen. Der Vorteil für Patienten: Die umständliche Recherche nach der richtigen Nummer entfällt.

116 117 – wenn es nach Dr. Hans-Joachim Helming geht, können Patienten unter dieser Telefonnummer in Zukunft deutschlandweit den ärztlichen Bereitschaftsdienst erreichen. Der Vorsitzende der KV Brandenburg denkt noch weiter: Sogar europaweit würde er diese Nummer am liebsten etablieren. Der Flickenteppich unterschiedlicher Bereitschaftsdienstnummern würde dann der Vergangenheit angehören. „Das vereinfacht das Reisen und Arbeiten in den europäischen Nachbarstaaten erheblich, weil schnell und einfach medizinische Hilfe gerufen werden kann“, ist der Gynäkologe überzeugt.

Über die Nummer wird in Brüssel entschieden
Ganz soweit ist es freilich noch nicht. Die KV ist mit dem Antrag für eine einheitliche Rufnummer erst einmal in Brüssel gelandet. Und dort hängt die Entscheidung des zuständigen Arbeitsgremiums jetzt von den Mitgliedsstaaten ab. Einige Länder konnte die KV bereits von dem Projekt überzeugen. „Ungarn, Lettland und Estland zeigen konkretes Interesse an der Nummer und haben sich für eine Umsetzung in ihren Ländern ausgesprochen“, erzählt Helming. Auch Polen, Rumänien und die Slowakei seien interessiert, befänden sich aber noch im Entscheidungsprozess. Sobald noch mindestens zwei weitere Staaten das Projekt unterstützen, läuft das Beratungsverfahren in der Kommission weiter und die Nummer kann für den Bereitschaftsservice reserviert werden. Danach erfolgt eine Ausschreibung in allen Mitgliedsländern: Organisationen oder Unternehmen können sich für die konkrete Umsetzung der Rufnummerinitiative bewerben. KV-Chef Helming ist zuversichtlich, dass die Nummer 116 117 demnächst in „einigen Ländern“ frei geschaltet werde. Mit einer Entscheidung des Brüsseler Gremiums rechnet er noch in diesem Jahr.

Unterstützung vom Bundesgesundheitsministerium
Während auf der EU-Ebene noch Abwarten das Gebot der Stunde ist, haben die Brandenburger in Deutschland bereits das Bundesgesundheitsministerium auf ihrer Seite. Das dürfte nicht zuletzt an dem Kostenargument liegen. Zwar betragen die einmaligen Ausgaben für die Nummer mit Entwicklung, Server, Dateneingabe etc. rund 100.000 Euro, der monatliche Unterhalt liegt in derselben Höhe. Dennoch rechnet sich das Ganze, glaubt die KV, denn der niedergelassene Arzt vor Ort übernehme die Versorgung leicht erkrankter Patienten, so dass teure Transporte oder Notaufnahmen in den Krankenhäusern entfielen. „In Deutschland erhält ein niedergelassener Arzt rund 55 Euro für einen Hausbesuch. Der Einsatz eines Rettungswagens kostet hingegen zwischen 360 Euro und 500 Euro“, rechnet Helming vor. Um sich forensisch abzusichern, nähmen der Notarzt und die Rettungssanitäter meistens die Patienten in die Klinik mit und lösten dadurch eine weitere Behandlungs- und Kostenkette aus. Bleibt abzuwarten, ob diese Argumente auch in Brüssel gehört werden.



116 117 – eine einheitliche Nummer für den Bereitschaftsdienst
Die KV Brandenburg nennt unter anderen folgende Vorteile für alle Betroffenen:

  • Eine kurze, prägnante Rufnummer, die einfach zu merken ist, was für eine älter werdende Bevölkerung entscheidend ist;
  • Kostenlos und ohne vorherige Registrierung sofort nutzbar;
  • Keine umständliche Recherche in Zeitungen oder bei der Auskunft;
  • Direkte Verbindung via Computer mit der nächstgelegenen Stelle (Arzt oder Ärztehaus), die gerade Bereitschaftsdienst hat;
  • Garantierte schnelle, qualifizierte und sichere Patientenversorgung;
  • Gilt überall in Europa und ersetzt den bisherigen Flickenteppich unterschiedlicher Bereitschaftsdienstnummern.

Weitere Informationen unter www.kvbb.de

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