Patientenbrief

Dezember 2008

STUDIE
Purer GKV-Beitragssatz liegt bei 10,35 Prozent

Berlin - Der Krankenkassen-Beitragssatz könnte um 4,55 Punkte auf 10,35 Prozent gesenkt werden. Voraussetzung: Versicherungsfremde Leistungen werden nicht mehr durch die gesetzliche Krankenversicherung übernommen.

Zu dieser Erkenntnis kommt Prof. Fritz Beske im 110. Band der Schriftenreihe seines Instituts für Gesundheits-System-Forschung (IGSF). Laut IGSF-Berechnungen geht es um eine Dimension von 45,5 Milliarden Euro pro Jahr. Angesichts dieser enormen Quersubventionierung könne er „nicht verstehen, warum Gesundheitspolitiker nicht ständig auf der Matte stehen“, wundert sich Beske. Seit Jahren wird der 85-Jährige nicht müde, auf diesen Missstand hinzuweisen. Auf der Pressekonferenz anlässlich der Studienvorstellung pflichten ihm Dr. Carl-Heinz Müller, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), und Dr. Hans-Jürgen Ahrens vom AOK-Bundesverband bei.

Politik belastet die GKV
Vor allem die familienfreie Mitversicherung schlage mit rund 29 Milliarden Euro zusätzlichen Kosten infolge der Beitragsbefreiung und reduziertem Beitragssatz zu Buche. Die jährliche GKV-Belastung durch versicherungsfremde Leistungen beispielsweise bei Schwangerschaft und Mutterschaft setzt der Kieler Wissenschaftler mit rund vier Milliarden Euro an. Außerdem nennt Beske noch zusätzliche Lasten durch die erhöhte Mehrwertsteuer auf Medikamente – vier Milliarden Euro. Als „skandalös“ bezeichnet Beske die nicht kostendeckenden Beiträge für Hartz-IV-Empfänger, die Versicherte mit 4,7 Milliarden Euro belasteten. Dabei wäre es eigentlich ganz einfach, resümiert Beske: „Die Versicherten der GKV bezahlen ausschließlich für ihre eigene Gesundheitsversorgung.“
 
AOK „dankbar“ für Analyse
Hans-Jürgen Ahrens zeigt sich „dankbar“ für das neue Gutachten. „Jahrelang wurden wir gefragt, warum die Beiträge so steigen – das waren teilweise Dinge, die wir gar nicht zu verantworten haben.“ Es könne nicht sein, „dass wir für versicherungsfremde Leistungen nicht das entsprechende Entgelt bekommen“. Zugleich bekräftigt Ahrens die Ansicht der Kassen, dass der vom Schätzerkreis kalkulierte Beitragssatz zu gering sei, es fehlten von vornherein zwei Milliarden Euro im Fonds. Zudem sei noch mit einer Wachstumsprognose von 1,2 Prozent für 2009 kalkuliert worden, die inzwischen deutlich nach unten korrigiert werden musste. Dennoch geht der AOK-Verbandschef davon aus, „dass wir zumindest ins neue Jahr gehen können, ohne einen Zusatzbeitrag von unseren Versicherten erheben zu müssen.“



Weitere Informationen zur Beske-Expertise
Die Studie „Zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung – Auswirkungen politischer Entscheidungen auf die Finanzsituation der Gesetzlichen Krankenversicherung“ von Prof. Beske ist als Band 110 in der Schriftenreihe des Fritz Beske Instituts für Gesundheits-System-Forschung Kiel erschienen und kann gegen eine Schutzgebühr von 10 € zzgl. Versandkosten bestellt werden bei:
IGSF Kiel
Weimarer Str. 8
24106 Kiel
Tel. 0431 – 800 60-0
Fax 0431 – 800 60-11
E-Mail: info@igsf-stiftung.de.

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