Patientenbrief

Dezember 2008

LANGZEITSTUDIE
„Helmholtz-Kohorte“ zu chronischen Krankheiten

Berlin/München - Das Helmholtz Zentrum München und das Deutsche Krebsforschungszentrum Heidelberg werden im kommenden Jahr chronische Krankheiten im Rahmen einer bundesweiten Langzeitstudie erforschen.

Ziel ist es, die Ursachen von Krebs, Diabetes, Demenz und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu analysieren. Dabei wollen die Wissenschaftler vor allem die Risikofaktoren der Krankheiten identifizieren. Die Erkenntnisse könnten helfen, neue Strategien für Risikoerfassung, Früherkennung und Prävention so genannter Volkskrankheiten zu entwickeln.

Geplanter Studienzeitraum: 20 Jahre
Die Teilnehmer werden regelmäßig medizinisch untersucht, gleichzeitig sollen Informationen zu psychosozialen Faktoren, Lebensstil (Rauchen, Ernährung), medizinischer Vorgeschichte und der Einnahme von Medikamenten gesammelt werden. Darüber hinaus werden Blutproben entnommen und für spätere Forschungsprojekte in einer zentralen Bioprobenbank gelagert. Das Vorhaben soll Universitäten und Forschungseinrichtungen im ganzen Land einbinden, die über einen Zeitraum von zehn bis zwanzig Jahren rund 200.000 gesunde Menschen untersuchen werden. Die Studie soll 2009 mit einer Planungs- und Pilotphase beginnen. Innerhalb von drei Jahren werden Methoden getestet und die Auswahl der Teilnehmer vorbereitet. Kohortenstudien gelten als die zuverlässigste Methode epidemiologischer Forschung. Die Mittel für das Projekt in Höhe von 20 Millionen Euro hat der Senat der Wissenschaftsgemeinschaft jetzt bewilligt.

Neueste Erkenntnisse der Präventionsforschung
Aufgegriffen wurde das Forschungsthema bereits auf dem ersten Helmholtz-Forum Gesundheit, zu dem die fünf Gesundheitszentren der Gemeinschaft in Kooperation mit Zeit Wissen eingeladen haben. Auf der Veranstaltung unter dem Motto „Mit Spitzenforschung Volkskrankheiten vorbeugen“ präsentieren Wissenschaftler neueste Erkenntnisse über innovative Ansätze in der Präventionsforschung. Prof. H.-Erich Wichmann vom Helmholtz Zentrum München stellt in seinem Vortrag die Bedeutung von großen Kohortenstudien für die Vorbeugung von Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen heraus. Diese groß angelegten Untersuchungen sollen genetische und umweltbedingte Risikofaktoren für verschiedene Krankheiten aufzeigen.
Ein Organ allerdings entzieht sich weitgehend einer Analyse per Blut- oder Gewebeprobe: das Gehirn. Nicht zuletzt deshalb werden neurodegenerative Leiden wie die Alzheimersche Erkrankung oft erst diagnostiziert, wenn sich bereits Symptome der Demenz manifestiert haben. Die moderne Technik des „Neuroimagings“ soll nun die Suche nach neuen Ansätzen für die Diagnose und Prävention von Demenzerkrankungen und anderen Fehlfunktionen des Gehirns ermöglichen, wie Prof. Karl Zilles vom Forschungszentrum Jülich in seinem Vortrag berichtet. Er und seine Kollegen werden künftig an einem weltweit einzigartigen Gerät arbeiten, das zwei der wichtigsten bildgebenden Verfahren kombiniert. Mit Hilfe dieses Systems wollen die Forscher Prozesse im normal alternden Gehirn entschlüsseln, um diese erstmals von den Vorgängen im erkrankten Organ unterscheiden zu können.

Schattenseite der High Tech-Medizin
Der Vortrag von Dr. Susanne Häußler vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig handelt dagegen von einer Schattenseite der High Tech-Medizin. Manche Erreger finden heute mehr und mehr Opfer, weil sie auf medizinischen Geräten, Prothesen und anderen Fremdkörpern im Körper perfekte Oberflächen zur Besiedelung finden. Viele dieser Keime entgehen den Attacken unseres Immunsystems ebenso wie der Antibiotikatherapie, weil sie sich in nahezu unangreifbaren Biofilmen zusammenschließen. Die Folge sind chronische, nicht selten lebensgefährliche Infektionen. Häußler und ihr Team untersuchen, welche molekularen Mechanismen für die Entstehung dieser komplexen bakteriellen Gemeinschaften essentiell sind – und wie man sie mit neuen präventiven Ansätzen blockieren kann.

Die Broschüre „Mit Spitzenforschung Volkskrankheiten vorbeugen – Präventionsforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft“ kann im Internet herunter geladen werden: www.dkfz.de (PDF)

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