Patientenbrief

Dezember 2008

KRANKENHAUS BAROMETER
Patientenversorgung beeinträchtigt

Berlin - Eine Krankenhaus-Umfrage zeigt, dass sich die wirtschaftliche Situation deutscher Kliniken rapide verschlechtert. Den Patienten drohen Qualitätseinbußen und lange Wartezeiten.

Die Ergebnisse des Krankenhaus Barometers, einer jährlich stattfindenden Umfrage der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), offenbaren große Gefahren für die Patientenversorgung in Deutschland. Mehr als 90 Prozent der Krankenhäuser haben demnach Probleme, die Arbeitszeiten der Mitarbeiter zu organisieren, da es zu viele offene Stellen gibt. Gut ein Drittel gibt an, dass personelle Engpässe bereits zu einer schlechteren Versorgung des Patienten führen. Um die Situation zu entspannen, hat bereits ein Sechstel der Kliniken damit begonnen, Wartelisten einzurichten oder auszubauen. Knapp zehn Prozent sehen sogar einen direkten Zusammenhang zwischen der Personalsituation und der Schließung von Stationen oder Bereichen. Mehr als die Hälfte der Häuser erwartet, dass sich die wirtschaftliche Situation 2009 weiter verschlechtert. Die DKG befürchtet, dass am Ende dieser Entwicklung eine spürbare Rationierung der Patientenversorgung steht und die Arbeitsverdichtung für die Mitarbeiter weiter zunimmt.

DKG-Chef: Politik behandelt Krankenhäuser „stiefmütterlich“
Ursache für die gravierenden Probleme ist eine Finanzierungslücke für das Jahr 2009. Die Krankenhäuser müssen nach einer verbindlichen Lohnerhöhung von drei Prozent in diesem Jahr zum 1.1.2009 noch einmal fünf Prozent mehr zahlen. Dazu kommen höhere Sachkosten für medizinische Geräte und Zubehör. Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, erklärt: „Mehr als die Hälfte dieser Kostensteigerungen müssen die Kliniken selbst aufbringen. Bekanntlich sind die Wirtschaftlichkeitsreserven der Krankenhäuser aber bereits ausgeschöpft.“ Im kommenden Jahr seien deshalb fast 20.000 Stellen gefährdet, so Baum.
Mit 34 Prozent wird dieses Jahr der Anteil der Kliniken mit negativer Bilanz erstmals größer sein als der Anteil der profitablen, so das Krankenhaus Barometer. Bereits jetzt sind deshalb landesweit rund 4.000 Arztstellen unbesetzt, mehr als zwei Drittel der Kliniken klagt über Probleme bei der Einstellung von Ärzten. Hinzu kommt, dass mehr als 66 Prozent der Krankenhäuser die wöchentliche Arbeitszeit ihrer Belegschaft verlängern müssen. Bei der täglichen Arbeitszeit sind es gut die Hälfte. DKG-Chef Baum resümiert: „Die Krankenhäuser werden von der Politik stiefmütterlich behandelt.“ In dem immer intensiveren Verteilungskampf um die Ressourcen im Gesundheitswesen stünden die Krankenhäuser vor einem „Tunnel ohne Licht“.



Hintergründe zum Krankenhaus Barometer
Das Krankenhaus Barometer ist eine jährlich stattfindende repräsentative Klinikbefragung zu aktuellen krankenhauspolitischen Themen. Neben der DKG wird die Umfrage vom Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands und vom Verband der leitenden Krankenhausärzte durchgeführt. Themenschwerpunkte 2008 waren Ärztemangel und die wirtschaftliche Situation. An der Umfrage nahmen 347 Allgemeinkrankenhäuser ab 50 Betten teil.

Die Studie kann im Internet heruntergeladen werden: http://dki.comnetinfo.de (PDF)

TOP