Berlin/München - Eine repräsentative Umfrage der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) gibt Aufschluss darüber, was Niedergelassene über Selbsthilfegruppen denken.
Bei der Befragung, von der KVB im Oktober vergangenen Jahres durchgeführt, gingen Fragebögen an 500 Hausärzte, 500 Fachärzte und 100 Psychologische Psychotherapeuten. Die Rückantwortquote betrug 30 Prozent. Wichtigstes Ergebnis der Studie: Selbsthilfegruppen (SHG) werden von Ärzten und Psychotherapeuten prinzipiell äußerst positiv bewertet. Allerdings ergab die Umfrage ebenso folgendes: Je konkreter in punkto Kooperation nachgefragt wird, desto zurückhaltender äußern sich die Mediziner.
Die Ergebnisse im Einzelnen
95 Prozent der Einzelpraxen und 97 Prozent der Praxisnetze halten Selbsthilfegruppen für sinnvoll. 77 Prozent der Einzelpraxen und 92 Prozent der Praxisnetze denken, durch eine Kooperation mit ihnen bei der Betreuung chronisch kranker oder schwieriger Patienten entlastet zu werden. 73 Prozent der Einzelpraxen und 73 Prozent der Praxisnetze sind der Meinung, dass neue Ansätze zur Patientenorientierung wichtig beziehungsweise dringend umzusetzen sind. Lediglich acht beziehungsweise vier Prozent glauben, dass die Gruppen das Arzt-Patienten-Verhältnis stören. Interessant: Praxisnetze bewerten die Selbsthilfe insgesamt positiver als Einzelpraxen. „Es stellt sich die Frage, ob Praxisnetze für neue Kooperationen mit Selbsthilfegruppen eine Vorreiterrolle übernehmen können“, schreibt Dr. Peter Scholze, Vorstandsbeauftragter der KVB für Patientenorientierung, in einem Beitrag für das Bayerische Ärzteblatt.
„Hohe Akzeptanz, doch keine konkreten Schritte“
Bei den Ärzten und Psychotherapeuten im Freistaat gibt es eine prinzipielle Bereitschaft, mit Selbsthilfegruppen zusammenzuarbeiten. Die Resultate der Umfrage: Neun Prozent der Einzelpraxen und 24 Prozent der Praxisnetze vermitteln mehr als zehn Patienten pro Quartal in Gruppen. 33 Prozent der Einzelpraxen und 46 Prozent der Praxisnetze sind grundsätzlich bereit, ohne Honorar die Selbsthilfe zu beraten. 22 Prozent der Einzelpraxen und 38 Prozent der Praxisnetze können sich vorstellen, die Praxis für abendliche Gruppentreffen zur Verfügung zu stellen. 88 Prozent der Einzelpraxen und 88 Prozent der Praxisnetze würden in der Praxis Info-Material der SHG auslegen. In der Theorie klingt das gut und schön – Peter Scholze benennt jedoch den Knackpunkt: „Der hohen Akzeptanz von SHG und der prinzipiellen Bereitschaft zur Kooperation mit Selbsthilfegruppen folgen allzu oft keine konkreten Schritte.“ Er verweist in diesem Zusammenhang auf mehrere Initiativen der KV, um „Umsetzungsprobleme“ zu überwinden. Dazu gehören beispielsweise die Aktionsgemeinschaft Selbsthilfe Bayern (AGSE), der Referentenpool von Ärzten für die Selbsthilfe sowie das Modellprojekt „Selbsthilfe-freundliche Praxis“.