Patientenbrief

September 2007

VERSORGUNGSSTRUKTUREN
Das Ende der Einzelpraxis?

Berlin - Ist die Arztpraxis mit einem einzelnen niedergelassenen Mediziner ein Auslaufmodell? Der Trend geht mittlerweile zu unterschiedlichsten Kooperationsformen. Das zeigen auch die jüngsten Statistiken der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).

Für die Kooperationen gibt es sowohl wirtschaftliche als auch medizinisch-fachliche Erwägungen. Niedergelassene Ärzte – sowohl eines Fachgebietes als auch fachübergreifend – schließen sich zum Beispiel zu Gemeinschaftspraxen zusammen, um Kosten zu teilen und teure Apparate optimal auszunutzen. Im Team können sich Ärzte in schwierigen Fällen beratschlagen und die Meinung des anderen Experten in ihre Überlegungen einbeziehen.

Kooperationen werden vom Gesetzgeber gefördert
Der Gesetzgeber fördert solche Kooperationen und hat deshalb mit dem GKV-Modernisierungsgesetz seit Januar 2004 eine neue Rechtsform für möglichst weitgehende fachübergreifende Kooperationen zugelassen: das so genannte MVZ – Medizinisches Versorgungszentrum. Alle Heilberufe können hier ihre Leistungen unter einem Dach anbieten, von „A“ wie Apotheker bis „Z“ wie Zahnärztin. Der Vorteil für den Patienten: Er hat kurze Wege, denn im Idealfall arbeiten alle Disziplinen, die an dem Heilungsprozess beteiligt sind, unter einem Dach. Die Zahl solcher Versorgungszentren hat der KBV zufolge in diesem Jahr deutlich zugenommen. Im Juni gab es insgesamt 809 MVZ. Damit hat sich die Anzahl innerhalb der letzten zwölf Monate fast verdoppelt (zuvor: 491).

Vorbild Polikliniken
Als Vorbild für diese Art von Versorgungszentren dienten übrigens die Polikliniken der DDR. Im Zuge der Wiedervereinigung wurden sie jedoch nahezu vollständig abgeschafft. MVZ können einem Krankenhaus angegliedert sein und mit angestellten Ärzten arbeiten oder in der Struktur niedergelassener, also selbstständiger, Mediziner funktionieren. Aber auch eine Mischform mit allen Konstellationen ist denkbar. Die meisten MVZ sind laut KBV-Statistik derzeit in Trägerschaft von Vertragsärzten (62,4 Prozent), von Krankenhäusern werden 33,1 Prozent geführt.

Klinik-MVZs vor allem im Osten
Auffällig ist, dass sich Zentren in Klinikträgerschaft stärker in den neuen Bundesländern konzentrieren. Grundsätzlich lässt sich die Mehrzahl in Gebieten mit einer hohen Einwohnerzahl und -dichte nieder. Bayern, Berlin und Niedersachsen sind die Bundesländer mit den meisten MVZ, Schlusslichter bilden dagegen Bremen und das Saarland. Hausärzte, Internisten und Chirurgen arbeiten am häufigsten in den Zentren.

Weitere Daten gibt es bei der Website der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV)

Pressemitteilung der KBV vom 3. August 2007: Niedergelassene Ärzte gründen die meisten Versorgungszentren.

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