Patientenbrief

September 2007

TELEMATIK
Elektronische Patientenakte für Kinder

Berlin/Mainz - Rheinland-Pfalz erprobt im kommenden Jahr flächendeckend eine elektronische Patientenakte für Kinder. Mit der E-PA Junior sollen wichtige gesundheitliche Daten dokumentiert, die Behandlung von Krankheiten optimiert und die Akteure des Gesundheitswesens besser vernetzt werden.

Im Rahmen des Projekts stellt die Landesregierung den Schätzungen zufolge 32.000 Neugeborenen des Jahrgangs 2008 eine bis zum sechsten Lebensjahr kostenlose elektronische Patientenakte zur Verfügung. Diese hat die Form einer Karte, auf freiwilliger Basis werden darauf medizinische Daten wie beispielsweise Erkrankungen, Impfstatus und Früherkennungsuntersuchungen gespeichert. Ärzte, Krankenhäuser und Hebammen können auf diese Informationen zurückgreifen und sie für die Behandlung nutzen. Dafür benötigen sie allerdings ein spezielles Lesegerät. Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD) erhofft sich von dem Karteneinsatz, dass Doppeluntersuchungen vermieden, medizinische Risiken wie beispielsweise Arzneimittelunverträglichkeiten besser eingeschätzt oder auch die Behandlung im Notfall verbessert werden. Stichwort Datenschutz: Der Zugang zu den Daten soll nur nach konkreter Einwilligung durch die Eltern möglich sein.

Daten leichter verfügbar, Defizite frühzeitig erkennbar
Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien könnten zur Prävention, aber auch zur besseren Behandlung beitragen, da Daten leichter und schneller verfügbar und gesundheitliche Defizite besser dokumentierbar und frühzeitiger erkennbar seien, betont Malu Dreyer. „Wir wollen dies zum Wohle der kleinen Patienten und ihrer Eltern nutzen.“ Zweifel an der Patientenakte für Babys kommen indessen vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Für Mediziner, die nicht über spezielle Software verfügen, befürchtet die Landesvorsitzende Ingrid Mayer mehr Zeit am Computer und weniger Zeit für Kinder und Eltern. „Bei einer Einzelpraxis mit bis zu 80 Patienten am Tag macht ein wiederholter Mehraufwand von drei Minuten viel aus“, so Mayer gegenüber der „Rhein-Zeitung“.

Mit im Boot: die CompuGroup
Industrieller Partner des Projekts ist die CompuGroup aus Koblenz. Das börsennotierte Unternehmen ist in Deutschland Marktführer für Arztpraxis-IT-Systeme. In Trier, wo die elektronische Gesundheitskarte derzeit getestet wird, setzt CompuGroup die Internet basierte Patientenakte Vita-X ein. „Mit der Etablierung der Vita-X basierten E-PA Junior in Rheinland-Pfalz wird erstmals in Deutschland flächendeckend eine professionelle Web basierte elektronische Patientenakte eingeführt“, sagt Frank Gotthardt, Vorstandvorsitzender der CompuGroup Holding AG.

Weitergehende Informationen im Internet
zum Test der elektronischen Gesundheitskarte in Trier: www.gesundheitskarte-rlp.de

zum Modellprojekt „ePatientenakte RLP“: www.epatientenakte-rlp.de

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