Patientenbrief

September 2007

DEBATTE
McPflege gibt auf – Problem der Schwarzarbeit bleibt

Berlin - In der Pflege sorgte ein neuer Anbieter für Wirbel: McPflege wollte osteuropäisches Pflegepersonal für Ganztagsbetreuung zu Discountpreisen vermitteln. Inzwischen hat das Bremer Unternehmen seine Aktivitäten gestoppt – das Problem illegaler Beschäftigung in der Pflege bleibt.

Rückblende: Gewerkschaften sowie Pflege- und Wohlfahrtsverbände hatten alarmiert auf das Angebot von McPflege reagiert. Die Discountpreise sorgten zudem für einen beträchtlichen Medienrummel. „Schon für monatlich circa 1.500 Euro kann eine osteuropäische Haushaltshilfe zu Ihnen kommen und die Betreuung rund um die Uhr sicher stellen“, warb das Unternehmen auf seiner Homepage. Bei 30 Tagen mit jeweils 24-Stunden-Betreuung kommt dabei ein durchschnittlicher Preis von zwei Euro pro Stunde heraus. Darüber hinaus sollten die Kunden eine jährliche Vermittlungsgebühr von rund 570 Euro bezahlen. Demgegenüber kostet eine Ganztagsbetreuung mit deutschen Pflegekräften rund 5.000 Euro.

McPflege: „persönliche Anfeindungen“
McPflege war sich seiner Sache sehr sicher. Geschäftsführer Norbert Meiners betonte, dass es sich nach EU-Recht um einen völlig legalen Service handle. Zu den zwei Filialen in Bremen und Cloppenburg sollte demnächst eine Hamburger Dependance kommen. Für die nächsten zwölf Monate plante das Unternehmen sogar 20 weitere Niederlassungen. Davon war wenige Tage später keine Rede mehr. „Aufgrund der vielen negativen Reaktionen und der massiven persönlichen Anfeindungen auf unseren Hilfe orientierten Ansatz ziehen wir nun jedoch die Konsequenz und ziehen uns aus dem Markt zurück“, verkündet die Firma.

„McDonaldisierung der Pflege“?
Erleichterung dürfte sich damit bei den Kritikern breit machen. Der Deutsche Berufsverband für Pflegekräfte (DBfK) hatte beispielsweise vor einer „McDonaldisierung der Pflege“ gewarnt. „Qualität gibt es nicht zu Dumpingpreisen“, so Franz Wagner, Geschäftsführer des DBfK-Bundesverbandes. Allerdings können sich viele Bürger eine Pflegekraft zu den üblichen Preisen nicht leisten. Mittlerweile arbeiten bis zu 100.000 Billigkräfte aus mittel- und osteuropäischen Staaten illegal in deutschen Pflegehaushalten. Die Bundesregierung will im Rahmen der Pflegereform deutlich gegen Schwarzarbeit im Pflegebereich vorgehen.

Informationskampagne in Baden-Württemberg
In Baden-Württemberg läuft bereits seit Anfang des Jahres eine Informationskampagne zum Thema. Dem Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste zufolge hat das Sozialministerium im Landespflegeausschuss eine erste, positive Bilanz der Initiative gezogen. Insbesondere die flächendeckend verteilte Broschüre „Pflegebedürftig – was nun?“ sei in der Öffentlichkeit und in Fachkreisen auf große Resonanz gestoßen. Ziel der Kampagne ist es, Pflegebedürftige und deren Angehörige zu informieren, was im Pflegefall zu beachten ist und welche legalen Leistungsangebote bereitstehen. Doch angesichts der Größe der Probleme um eine bezahlbare qualifizierte Pflege dürfte es mit derartigen Initiativen allein nicht getan sein.


Pressemitteilung des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e.V. vom 10. August 2007: McPflege gibt auf, bpa fordert als Konsequenz Vorgehen gegen illegale Pflegeangebote; pdf-Dokument, 1 Seite, 12 KB

Pressemitteilung des Arbeitgeber- und Berufsverbandes privater Pflege (ABVP) vom 10. August 2007: Trotz Ende von „McPflege“: Billiganbieter provozieren Wertdebatte in der Pflege; pdf-Dokument, 2 Seiten, 80 KB

TOP