Patientenbrief

September 2007

CHIRURGIE
Zentrum für patientenorientierte Forschung

Berlin - „Nur circa zehn Prozent aller operativen Verfahren und chirurgischen Techniken sind hierzulande durch wissenschaftlich fundierte klinische Studien belegt“, sagt Prof. Hartwig Bauer, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCh). Die Tendenz sei allerdings steigend. Dazu trägt nicht zuletzt ein von der Gesellschaft initiiertes Studienzentrum bei.

Das Zentrum soll die chirurgische Versorgung in Deutschland verbessern. Es plant Studien, führt diese durch und wertet sie anschließend aus. Eine weitere wichtige Ausgabe ist das Registrieren von wissenschaftlichen Arbeiten. So soll mehr Transparenz über die verschiedensten Forschungsergebnisse hergestellt werden. Derzeit laufen fünf große multizentrische Studien über das Zentrum, acht weitere sind in Planung. „Multizentrisch bedeutet, dass die Untersuchungen an verschiedenen Standorten stattfinden“, erklärt Bauer. Dabei wird Wert darauf gelegt, dass nicht nur Universitätskliniken, sondern auch Krankenhäuser anderer Versorgungsstufen beteiligt werden. Die derzeit größte Studie erforscht den „Bauchdeckenverschluss“: Bei etwa zehn Prozent der Patienten bricht nach einer Operation in der Bauchhöhle die Bauchwand entlang der Narbe erneut auf, was weitere Eingriffe erforderlich macht. An mehr als 600 Patienten analysieren Chirurgen jetzt, wie sich die Bauchdecke so verschließen lässt, dass spätere Narbenbrüche seltener auftreten.

Aufwändig und schwierig: Studien in der Chirurgie
Chirurgiestudien unterscheiden sich von Arzneimitteluntersuchungen gewaltig. Denn bei einem Vergleich unterschiedlicher Techniken – beispielsweise Klammer- und Handnähte oder auch klassische offene Operationsverfahren gegenüber der so genannten Schlüssellochchirurgie – muss stets das gesamte Umfeld der OP mit berücksichtigt werden, weil dieses den Heilungserfolg erheblich mit beeinflusst. Die gesamten Behandlungsabläufe sind daher im Rahmen der Studie zu standardisieren. Ein weiterer Unterschied: „Bei Operationen kann nicht mit einem Placebo gearbeitet werden“, so Bauer. Placebos sind Scheinmedikamente, bei Arzneimittelstudien werden sie eingesetzt, um die Wirkung eines neuen Medikaments zu überprüfen. Die Variante bei den Chirurgen – eine Schein-OP, d.h. ein Eingriff ohne medizinischen Anlass bei einem gesunden Patienten – ist ethisch kaum zu vertreten. Deshalb lässt sich die wissenschaftliche Evaluationsrate chirurgischer Methoden und Eingriffe auch schwer mit denen anderer medizinischer Fächer vergleichen.

Das Studienzentrum
Das Studienzentrum der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (SDGC) ist an der Heidelberger Universitätsklinik beheimatet. Im vergangenen Jahr sind fünf weitere Regionalzentren – unter anderem die Berliner Charité – hinzugekommen. Seit 2005 unterstützt das Bundesforschungsministerium die Arbeit des Zentrums finanziell.

Weitere Informationen auf den Internetseiten des Studienzentrums der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (SDGC): www.sdgc.de

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