Patientenbrief

September 2007

BUNDESTAGSANFRAGE
Jährlich bis zu 800.000 Krankenhausinfektionen

Berlin - In Deutschland infizieren sich rund 3,5 Prozent der 16 Millionen Patienten mit so genannten Krankenhauskeimen. „Hochgerechnet treten jährlich rund 500.000 bis 800.000 Krankenhausinfektionen auf“, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung (Bundestags-Drucksache 16/6185) auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion.

Im internationalen Vergleich sei diese Rate „sehr gering“, so die Bundesregierung. 25 Prozent dieser Infektionen seien durch geeignete Maßnahmen vermeidbar. Die Händedesinfektion, die wichtigste Einzelmaßnahme zur Prävention, erfolge aber zum Teil nur unzureichend. Darüber hinaus weist die Bundesregierung darauf hin, dass der Anteil an resistenten Erregern innerhalb der Krankenhausinfektionen gestiegen sei. Die Zunahme an Infektionen durch (multi-)resistente Erreger werde „sehr ernst“ genommen, heißt es in der Antwort.

Spieth: „Hygienisches Problem in den Krankenhäusern“„In den Krankenhäusern gibt es ein hygienisches Problem, das nicht zu leugnen ist und von der Bundesregierung, wenn überhaupt, nur zaghaft angepackt wird.“ So kommentiert Frank Spieth, gesundheitspolitischer Sprecher der Links-Fraktion, die Antwort der Regierung. Die Vermutung liege nahe, dass durch Einsparungen und den immensen Kostendruck, der auf den Krankenhäusern laste, die Einhaltung von Hygienestandards erschwert werde. „Einerseits spricht die Bundesregierung von der Notwendigkeit, die Mitarbeiter im Hinblick auf derartige Infektionen zu schulen. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dafür sind jedoch schlecht“, meint Spieth. Er verweist auf die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), die den Investitionsstau in deutschen Kliniken mit 50 Milliarden Euro beziffert.


Was unternimmt die Politik?
Die Bundesregierung benenne kaum neue Methoden, um die hygienischen Zustände zu verbessern, kritisiert der Abgeordnete Frank Spieth. In der Antwort verweist die Regierung auf das Bundesgesundheitsministerium, das im kommenden Jahr die „Aktion Saubere Hände“ unterstützen werde. Diese werde vom Aktionsbündnis für Patientensicherheit, von der Gesellschaft für Qualitätsmanagement in der Gesundheitsversorgung und vom Nationalen Referenzzentrum für die Surveillance von nosokomialen Infektionen vorgeschlagen. Außerdem finanziere das Ministerium die Untersuchung von Infektionsdaten („HAND-KISS“), an der mehr als 250 von 2.200 Krankenhäusern in Deutschland teilnähmen, heißt es in der Regierungsantwort. Anhand der Auswertung eigener Infektionsdaten im Vergleich könnten die Krankenhäuser Probleme identifizieren und entsprechende Maßnahmen ergreifen, um die Infektionsraten zu senken.

Mehr dazu im Internet:
die Kleine Anfrage der Linksfraktion (PDF) (Drucksache 16/6084)

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