Berlin - Kostenintensive Einzelfälle, sprich „teure Patienten“, bestimmen einer Untersuchung zufolge weit weniger die Höhe der Gesundheitsausgaben als bisher angenommen.
Zudem verteilen sich die Gesundheitsausgaben mit steigendem Lebensalter zunehmend weniger ungleichmäßig auf die Versicherten. Dies geht aus einer aktuellen Studie des Wissenschaftlichen Instituts der Privaten Krankenversicherung hervor.
20/80-These wird widerlegt
„Unsere Studie untersucht die so genannte 20/80-These, der zufolge 20 Prozent der Krankenversicherten 80 Prozent der Gesundheitsleistungen beanspruchen“, erklärt WIP-Leiter Christian Weber. Für die Studie wurden die in einem Zehnjahreszeitraum angefallenen Daten von 625.000 Personen ausgewertet. Erstmalig in Deutschland wurden neben Krankenhaus- und Arzneimittelkosten auch Arzthonorare vollständig erfasst. Laut Weber ist die Verteilung der Gesundheitskosten auf die Versicherten wesentlich gleichmäßiger als bisher angenommen.
So benötigten beispielsweise die 20 Prozent der teuersten Fälle unter den 80- bis 89-jährigen Frauen nicht 80, sondern 57 Prozent aller Ausgaben ihrer Altersgruppe. Und auch in allen anderen untersuchten Gruppen über 50 Jahre liege der Wert ganz deutlich unter 80 Prozent.
Hohe Kosten bedeuten nicht: teurer Krankheitsverlauf
Weber: „Auffallend ist zudem, dass die Konzentration auf wenige teure Fälle abnimmt, je älter die Versicherten werden. Anders ausgedrückt: Je älter die Versicherten sind, desto gleichmäßiger wird die Verteilung der Gesundheitskosten. Über einen Zeitraum von zehn Jahren hinweg ist dabei sogar festzustellen, dass das Ausmaß der Ungleichverteilung tendenziell abnimmt.“ Eine weitere Erkenntnis: Hohe Behandlungskosten müssen keineswegs mit einem dauerhaft teuren Krankheitsverlauf verbunden sein. Von den Personen, die im ersten Jahr in der Gruppe der teuren Behandlungsfälle zu finden waren, gehörten dieser Gruppe im zweiten Jahr weniger als 50 Prozent und im dritten Jahr weniger als 30 Prozent weiterhin an. „Wenn teure Einzelfälle jedoch weniger relevant für die Finanzierung unseres Gesundheitswesens sind als bisher angenommen, dann muss die Bedeutung des Fallmanagements – von Chronikerprogrammen bis hin zur integrierten Versorgung – unter Kostenaspekten neu diskutiert werden“, kommentiert der Institutsleiter.
Die Studie ist im Internet verfügbar unter: www.wip-pkv.de