Berlin - Eine Studie zur Magnetresonanztomografie (MRT) sorgt für Diskussionen über das Mammografie-Screening. Die Patientenbeauftragte verteidigt das Früherkennungsprogramm.
Einer aktuellen Studie zufolge ist die MRT bei der Diagnose von Vorstufen des Brustkrebses wesentlich treffsicherer als die gängige Mammografie. MRT als Früherkennungsprogramm zu etablieren, sei jedoch „nicht nur finanziell schwierig, sondern auch fachlich kritisch“, betont Helga Kühn-Mengel, Patientenbeauftragte der Bundesregierung.
Kühn-Mengel: flächendeckender MRT-Einsatz fragwürdig
Kühn-Mengel nimmt damit Stellung zu einem Bericht der „Bild“-Zeitung, der unter Berufung auf die Studie beklagt hatte, dass die MRT Kassenpatienten vorenthalten werde. Die Patientenbeauftragte bewertet einen flächendeckenden MRT-Einsatz als fragwürdig, da mit einer hohen Zahl falsch-positiver Befunde zu rechnen sei. Nur bei speziellen Indikationen solle diese Untersuchungsmethode angewendet werden, so die Politikerin bei der Besichtigung einer Berliner Mammografie-Screening-Einheit. Die Mammografie, eine Röntgenaufnahme der Brust, nennt Kühn-Mengel dagegen eines der „bestbelegten Instrumente zur Krebsfrüherkennung“. Im Rahmen des Brustkrebs-Screenings, das derzeit eingeführt wird, haben alle Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren einen Anspruch auf diese Untersuchung.
Screening: Verzögerungen in vier Bundesländern
Bis zum Frühjahr 2008 soll das Früherkennungsprogramm flächendeckend eingeführt werden. „Ich nehme die Verantwortlichen beim Wort“, so Marion Caspers-Merk, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, die ebenfalls an der Besichtigung teilnahm. Laut Caspers-Merk hakt es mit der Umsetzung vor allem noch in Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Hamburg und Baden-Württemberg. Die Einführung des Screenings geht auf einen Bundestagsbeschluss im Jahre 2002 zurück, den Kühn-Mengel als „überfällig“ bezeichnet. Zuvor habe man zwar viel Geld für die Mammografie ausgegeben, „aber die Qualität stimmte nicht überall.“
Strenge Qualitätsvorschriften
Umso wichtiger ist es der Patientenbeauftragten, beim Besuch der Screening-Einheit auf die strengen Qualitätsanforderungen hinzuweisen. So werden beispielsweise alle Röntgenaufnahmen von zwei Ärzten, in Zweifelsfällen sogar von drei, beurteilt. In Berlin haben bisher 40 Prozent der 100.000 eingeladenen Frauen an dem Screening teilgenommen. Dabei wurden 360 Tumore entdeckt, in 80 Prozent der Fälle handelt es sich dabei um Frühstadien, in denen sie weder ertastet werden konnten noch Beschwerden verursachten. Die Heilungschancen werden in solchen Fällen mit 90 Prozent beziffert.
Teilnahmequote soll noch gesteigert werden
In den nächsten Jahren sollen noch deutlich mehr Frauen an dem Screening teilnehmen. „Wir peilen an, bis zu 75 Prozent der Anspruchberechtigten zu erreichen“, sagt Dr. Lisa Regitz-Jedermann. Sie leitet das Referenzzentrum Mammografie Berlin, welches das Programm in der Hauptstadt und in den neuen Bundesländern überwacht. Eine hohe Teilnehmerquote sei, so die Radiologin, die Voraussetzung dafür, den Nutzen des Früherkennungsprogramms nachzuweisen. Ziel des Screenings ist es, in der Altersgruppe der 50- bis 69-Jährigen die Brustkrebssterblichkeit um 20 bis 30 Prozent zu senken. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg.
Was ist ein Mammografie-Screening?
Bei der Mammografie wird die Brust geröntgt. Mit dem Begriff Mammografie-Screening wird ein Programm zur Früherkennung von Brustkrebs mit Hilfe der Röntgenuntersuchung bezeichnet. „Screening“ kommt aus dem Englischen und bedeutet Reihenuntersuchung. Im Juni 2002 hat der Deutsche Bundestag einstimmig beschlossen, in Deutschland ein Mammografie-Screening-Programm einzuführen, und zwar auf der Grundlage der „Europäischen Leitlinien für die Qualitätssicherung des Mammografie-Screenings“. Die Richtlinien zu Zielen, Inhalten und Struktur des deutschen Programms sind im Januar 2004 in Kraft getreten, bis 2008 soll das Programm flächendeckend eingeführt worden sein. Getragen wird es gemeinsam von den gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen sowie den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV).
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